Schlaganfall Symptome: Kribbeln richtig erkennen!

Kribbeln oder Taubheitsgefühle (Parästhesien) als typische Symptome bei Schlaganfall äußern sich oft als akut auftretendes, unangenehmes Gefühl, das von Betroffenen als Ameisenlaufen oder Nadeln und Stiche auf der Haut beschrieben wird. 

Wenn bestimmte für die sensorische Wahrnehmung zuständige Bereiche des Gehirns vom Schlaganfall betroffen sind, kommt es zum Kribbeln. Dabei kommt ein einseitig auftretendes Kribbeln in einem Arm, Bein, einer Gesichtshälfte oder der ganzen Körperhälfte vor.

Was ist ein Schlaganfall?

Unter einem Schlaganfall (Apoplex) versteht man die plötzlich auftretende Unterbrechung der Blutversorgung (Durchblutungsstörung) im Hirngewebe. Dies kann durch ein verschlossenes Gefäß (ischämischer Schlaganfall) oder durch eine Blutung im Gehirn (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht werden.

Informationen zu den Schlaganfall Arten Hirninfarkt und Hirnblutung.

Beide Ereignisse führen zu einem Sauerstoffmangel im betroffenen Bereich des Hirns, was Gehirnschäden und Funktionsverlust nach sich ziehen kann.

Formen des Kribbelns

Beim Schlaganfall können verschiedene Formen des Kribbelns oder Ausprägungen des Taubheitsgefühls auftreten, die je nach betroffenem Gehirnareal variieren und sich dementsprechend in unterschiedlichen Körperteilen präsentieren. 

So lässt sich das einseitige Kribbeln nennen, das sich auf nur eine Körperhälfte beschränkt, typischerweise im Arm, Bein oder Gesicht. Wenn nur die linke Körperhälfte betroffen ist, ist dies ein Anzeichen für einen Schlaganfall in der rechten Gehirnhälfte und andersrum. 

Weiters kann sich das Kribbeln auch nur auf bestimmte Körperteile wie das Gesicht, die Hände, Arme oder Beine beschränken. Je nach Schädigung der jeweiligen Region im Gehirn äußert sich die Symptomatik an einer anderen Körperstelle. Zudem kann es aber auch zu einem absteigenden Kribbeln vom Rumpf runter in die Beine kommen, wie bei einem Querschnitt. Diese Parästhesien sind typisch für Rückenmarksinfarkte oder Entzündungen vom Rückenmark.

Außerdem gibt es verschiedene Qualitäten von Haut-Missempfindungen, welche in dieser Liste erklärt werden:

  • Parästhesie: Ein ungewöhnliches, oft kribbelndes oder prickelndes Gefühl auf der Haut, ohne dass es eine klare Ursache gibt. Es fühlt sich an, als würden Ameisen über die Haut laufen.
  • Allodynie: Schmerz, der durch Reize verursacht wird, die normalerweise nicht schmerzhaft sind. Zum Beispiel kann eine leichte Berührung der Haut als schmerzhaft empfunden werden.
  • Hyperästhesie: Eine verstärkte Empfindlichkeit gegenüber Reizen. Betroffene nehmen Berührungen, Geräusche oder Gerüche intensiver wahr als gewöhnlich.
  • Hypästhesie: Eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber Reizen. Berührungen oder Temperaturveränderungen werden weniger intensiv wahrgenommen.
  • Dysästhesie: Eine unangenehme oder abnormale Empfindung, oft schmerzhaft, die ohne erkennbaren Grund auftritt. Es kann sich wie Brennen, Kribbeln oder Stechen anfühlen. Anästhesie: Der vollständige Verlust der Empfindung in einem bestimmten Bereich des Körpers. Berührungen, Schmerzen oder Temperaturunterschiede werden nicht wahrgenommen.
  • Neuralgie: Starke, brennende oder stechende Schmerzen, die entlang eines Nervs auftreten. Ein bekanntes Beispiel ist die Trigeminusneuralgie, die Gesichtsschmerzen verursacht.
  • Hyperalgesie: Eine verstärkte Schmerzempfindung gegenüber einem normalerweise schmerzhaften Reiz. Zum Beispiel kann ein kleiner Stich extrem schmerzhaft sein.
  • Hypalgesie: Eine verminderte Schmerzempfindung gegenüber einem normalerweise schmerzhaften Reiz. Schmerzen werden schwächer oder gar nicht wahrgenommen.

Wie entsteht Kribbeln als Symptome bei Schlaganfall ?

Als Ursache der Symptomatik lässt sich eine Störung der normalen Funktion der sensorischen Bahnen im Gehirn nennen. Die Störung entsteht durch Unterbrechung der Blutversorgung und daraus resultierenden Sauerstoffmangel mit sich anschließender Nervenschädigung der sensorischen Nervenbahnen. 

Diese Schädigung der sensorischen Nerven führt zu fehlerhaften oder unvollständigen Signalen, die das beeinträchtige Gehirn des Betroffenen als Kribbeln oder Taubheitsgefühl interpretiert. 

Die Gefühlsbahn beginnt in der Hirnrinde (postzentraler Sulcus) und zieht mit der inneren Kapsel (Capsula interna) quer durch das hin, wo es im Thalamus (Sekretär des Gehirns) verschaltet und gefiltert wird. Auf der Höhe des Hirnstamms kreuzen die Gefühlsbahnen auf die Gegenseite, wobei dies nur die Oberflächensensibilität (epikritische) und Tiefenwarnehmung (Propriozeption) betrifft. Die Temperatur- und Schmerzbahnen verlaufen in den Seitensträngen des Rückenmarks und kreuzen erst auf der richtigen Wirbelkörperhöhe.

Anatomie der sensiblen Bahnen im Gehirn, welche Schlaganfall Kribbel Symptome verursachen können.
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Ort der Schädigungresultierende klinische Symptome
Postzentraler Cortex (Gyrus postcentralis)Hemihypästhesie (verminderte Empfindlichkeit auf der gegenüberliegenden Körperhälfte)
Thalamuskontralaterale Hypästhesie oder Anästhesie (verminderte oder fehlende Empfindung auf der gegenüberliegenden Körperseite)
bei chronischen Schäden „Thalamusschmerz“ möglich
Hirnstammipsilaterale (gleiche Seite) Gesichtshypästhesie und kontralaterale (gegenüberliegende Seite) Körperhypästhesie
Rückenmark (Halsbereich)Quadriplegie oder Tetraplegie (Lähmung aller vier Gliedmaßen), eventuell mit Hypästhesie oder Anästhesie unterhalb der Verletzungsstelle
Rückenmark (Brustbereich)Paraplegie (Lähmung der unteren Gliedmaßen), eventuell mit Hypästhesie oder Anästhesie unterhalb der Verletzungsstelle
Hinterstränge des RückenmarksVerlust von Vibrationsempfindung und Propriozeption (Lageempfinden), oft auch Hypästhesie
Seitenstrang des RückenmarksVerlust der Schmerz- und Temperaturempfindung auf der kontralateralen Körperseite unterhalb der Verletzungsstelle
Schlaganfall Lokalisation mit daraus resultierender Kribbel Symptomatik

Schlaganfall Diagnose anhand des Symptoms Kribbeln

Beim geringsten Zweifel ist ein Arztbesuch oder der Rettungsnotruf besser als einen Schlaganfall beim Symptom Kribbeln zu übersehen!

Dennoch gibt es typische Verläufe und Verteilungen von Gefühlsstörungen (auch Kribbeln) als Schlaganfall Symptome, die eine Diagnose leichter machen:

  • plötzliches Auftreten des Kribbeln
  • keine Verbesserung durch Druckentlastung des Extremität oder Bewegung („eingeschlafener Arm oder Bein“)
  • durchgehende Halbseitigkeit inkl. Rumpfbeteiligung (wie eine Halbseitenlähmung)
  • ganzer Arm kribbelt und weniger Empfinden auf der Haut mit Feinmotorikstörung
  • zusätzliche Schlaganfall Symptome (z.B. Lähmung, siehe unten)
  • keine streifenförmige oder scharf begrenzte Gefühlsstörung oder Kribbeln (spricht für Bandscheibenvorfall oder periphere Nerven)
  • Querschnittsgefühlsstörung vom Bauch absteigend in beide Beine bei Rückenmarksinfarkt oder Rückenmarksentzündung (Myelitis)

Kribbel-TIA als Vorbote eines Schlaganfalls

Die transitorische ischämische Attacke (TIA) als Form des Schlaganfalls ist eine vorübergehende Unterbrechung der Blutversorgung des Gehirns, die typische Schlaganfall-Symptome verursacht, jedoch von kurzer Dauer ist und keine bleibenden Schäden hinterlässt. Manchmal wird sie auch als „Mini-Schlaganfall“ (leichter Schlaganfall) bezeichnet.Menschen, die bereits von einer TIA betroffen waren, haben ein deutlich erhöhtes Risiko für einen erneuten Schlaganfall. Sie gilt deswegen als Warnsignal und zeigt oft erste Anzeichen für einen Schlaganfall Jahre im voraus, weswegen sie höchste medizinische Aufmerksamkeit verdient.Oft wird diese aber aufgrund abweichender oder zu schwacher Symptome nicht erkannt, was das Risiko für einen Schlaganfall nicht mindert. 

Verschiedene Symptome einer TIA, einschließlich Kribbeln, dauern wenige Minuten, wenige Stunden bis maximal 24 Stunden an und verschwinden von selbst wieder vollständig. Es kommt also, anders als beim akuten Schlaganfall zu keinen bleibenden neurologischen Schäden. 

Kribbeln kann also ein Symptom einer TIA sein, das durch eine vorübergehende Unterbrechung der Blutversorgung im Gehirn verursacht wird. Obwohl die Symptome schnell abklingen, ist eine TIA ein wichtiger Hinweis auf das Risiko eines zukünftigen Schlaganfalls und sollte daher medizinisch abgeklärt werden.

Weitere Schlaganfall-Symptome als Anzeichen

Das Hauptmerkmal der typischen Anzeichen, die auf einen Schlaganfall hindeuten, ist, dass alle plötzlich und heftig auftreten. Die wichtigsten Symptome lassen sich leicht mit dem Akronym FAST merken:

  • Face (Gesicht): Plötzliche Schwäche oder Lähmung einer Gesichtshälfte: Ein hängender Mundwinkel oder Schwierigkeiten beim Lächeln sind häufige Anzeichen.
  • Arms (Arme): Plötzliche Schwäche oder Lähmung eines Arms oder Beins: Betroffene haben Schwierigkeiten, bei ausgestreckten Armen ihre Handflächen nach oben zu drehen. 
  • Speech (Sprache): Betroffene haben plötzlich Schwierigkeiten beim Sprechen oder Verstehen von Sprache, unverständliche oder verwaschene Sprache.
  • Time (Zeit): Es ist wichtig, diese Symptome erkennen zu können – und zwar so schnell wie möglich. Merkt man, dass ein Schlaganfall vorliegt, sollte sofort der Notruf gewählt werden, da jede Minute zählt, um die neurologischen Schäden zu minimieren.
Schlaganfall Symptome und Anzeichen mit FAST Test erkennen.
Übersicht Fast Schema bei Schlaganfall

Weitere Symptome, durch die sich ein Schlaganfall häufig zeigt und die alle ebenfalls plötzlich und heftig auftreten, können Sehstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel mit Übelkeit und Erbrechen, Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen sein. Treten diese nur auf einer Körperseite auf, ist dies ein weiterer Marker dafür, dass es sich wahrscheinlich um einen Schlaganfall handelt. 

Erste Hilfe leisten bei Schlaganfall Symptome

Gibt es erste Anzeichen für einen Schlaganfall, ist schnelles Handeln entscheidend. Deswegen sollten die Schritte zur Ersten Hilfe beim Schlaganfall klar sein: Zuerst sollte man den Notarzt rufen (112 in Europa) und äußern, dass Sie einen Schlaganfall vermuten.

Der nächste Schritt sollte darin bestehen, Ruhe zu bewahren und den Betroffenen zu beruhigen und keine voreiligen Handlungen treffen.

Optimal ist es, wenn die sich kümmernde Person die auftretenden Symptome genauestens beobachtet und mit Zeitangabe notiert, da dies für die nachfolgende neurologische Behandlung wichtig ist. Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte sollte der Betroffene auf Nahrung, Flüssigkeit und die Einnahme von Medikamenten verzichten. Vitalfunktionen wie Puls, Atmung und Bewusstsein kann man kontrollieren. 

Durch schnelles und besonnenes Handeln kann man so das Risiko schwerer Komplikationen verringern und dem Betroffenen die bestmögliche Chance auf eine vollständige Genesung bieten.

Schlaganfall erkennen bleibt dem Arzt überlassen!

Die Diagnose stellen medizinische Fachkräfte anhand der Anzeichen eines Schlaganfalls und Zusatzuntersuchungen wie CT oder MR, meist in einer Klinik oder einem Krankenhaus. Beim geringsten Verdacht ist es besser die Rettung zu rufen, als mit Warten wertvolle Zeit verstreichen zu lassen.

Denn „Zeit ist Hirn“ und eine schnelle Behandlung kann Hirngewebe retten!

Wer stellt die Diagnose?

Notärzte und Rettungskräfte sind oft die ersten, die eine Verdachtsdiagnose auf Basis der Symptome und einer ersten Untersuchung stellen. Nach Eintreffen in der Klinik übernehmen Fachärzte (Neurologen) die Rolle der endgültigen Diagnosestellung. Sie sind es auch, die im folgenden über die Art der Behandlung entscheiden. 

Diagnoseschritte und Methoden

Zunächst wird der vermeintliche Patient klinisch untersucht. Dabei werden zuerst die Symptome durch die Notärzte und Neurologen mittels Beobachtung und einfacher Tests bewertet. Dem folgt eine ausführliche Patientenanamnese. So lassen sich Risikofaktoren für einen Schlaganfall, die Historie an Herzinfarkt und Schlaganfall und weiteren Faktoren erheben. 

Im nächsten Schritt kommen Bilgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) oder die Kernspin / Magnetresonanztomographie (MRT) zur Lokalisierung der Ursachen für einen Schlaganfall zum Einsatz. 

Weitere diagnostische Tests zur Vereinfachung und Sicherung der Diagnostik  eines Schlaganfalls sind Bluttests, das Elektrokardiogramm (EKG), Ultraschall (Sonographie) der Halsschlagader und die detaillierte Gefäßdarstellung mittels Kontrastmittel (Angiographie)

Wichtigkeit der schnellen Diagnose

Der Leitsatz „time is brain“ (Zeit ist Gehirn) zieht sich durch die Gestaltung der Diagnostik und Behandlung eines Schlaganfalls. Eine schnelle und genaue Diagnose ist entscheidend, um die richtige Behandlung zu beginnen und die Schäden zu minimieren.

Eine frühzeitige Thrombolyse (Auflösung des Blutgerinnsels) oder Thrombektomie (mechanische Entfernung des Gerinnsels) können nicht nur ausschlaggebend für den Therapieerfolg, sondern auch lebensrettend sein.

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