Schlaganfall Symptome im Gesicht: Kribbeln & Lähmung

Schlaganfall Symptome können eine Lähmung oder Kribbeln im Gesicht sein, doch auch andere neurologische Erkrankungen können diese typischen Anzeichen auslösen. Die Unterscheidung zwischen Schlaganfall Symptomen oder anderen Ursachen ist nicht einfach und braucht viel Wissen und Erfahrung.

Was ist ein Schlaganfall ?

Unter dem Begriff des akuten Schlaganfalls bezeichnet man – vereinfacht gesagt – eine schlagartig auftretende Störung von Gehirnfunktionen. Schlaganfall ist dabei der Überbegriff für die akute und plötzlich auftretende Schädigung von Hirnarealen, die entweder infolge eines Gefäßverschlusses (Hirninfarkt, ischämischer Schlaganfall) oder durch eine Blutung im Gehirngewebe (Hirnblutung) entsteht (hämorrhagischer Schlaganfall). In beiden Fällen führt die Unterversorgung von bestimmten Hirnarealen im schlechtesten Fall zum Untergang von Nervenzellen. 

Informationen zu den Schlaganfall Arten Hirninfarkt und Hirnblutung.

Der Schlaganfall gehört neben Herz- und Krebserkrankungen zu den häufigsten Todesursachen in den westlichen Industriestaaten und ist in Deutschland und Österreich die häufigste Ursache für dauerhafte Behinderungen im Erwachsenenalter.

„leichter Schlaganfall“ namens TIA: typische Gesichtssymptome

Bei einer TIA, das für die Abkürzung für das Krankheitsbilder der transitorisch ischämischen Attacke steht, handelt es sich um eine vorübergehende (transitorische) Durchblutungsstörung (Ischämie) von Hirngefäßen, deren Anzeichen sich innerhalb von 24 Stunden wieder zurückbilden. Eine transitorische ischämische Attacke kann Vorbote eines Schlaganfalls sein. 

Typisch für die TIA sind die gleichen Symptome, die auch auf einen Verdacht auf einen Schlaganfall hindeuten, sich allerdings wieder vollständig zurückbilden. Hierzu gehören – je nach betroffener Hirnregion, die nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wird – beispielsweise plötzliche Sprachstörungen (Aphasie), Lähmungserscheinungen, Sehstörungen (Doppelbilder), Schwindel mit Übelkeit und Erbrechen, Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen, sowie Sprechstörungen (Dysarthrie) oder Schluckstörungen (Dysphagie). 

Speziell auf die Symptomatik im Gesicht bezogen, lassen sich einige Besonderheiten nennen, die auf einen Schlaganfall oder TIA hindeuten. Zunächst lässt sich die einseitige Gesichtslähmung nennen, bei der eine Seite des Gesichts plötzlich schlaff wird oder herunterhängt. Besonders auffällig wird dies beim Lächeln oder zeigen der Zähne des Betroffenen. 

Als ein weiteres Symptom findet man des Öfteren einen herabhängenden Mundwinkel, der sich vor allem beim Sprechen oder Lächeln sichtbar macht.

Allgemein werden deswegen auch Sprechprobleme (Dysarthrie) genannt, wobei sich die Ausprägung einer unverständlichen Sprache auf die Schwäche der Gesichtsmuskulatur zurückführen lässt. PatientInnen berichten ebenfalls oft über ein plötzliches Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Gesicht, das sich insbesondere auf eine Seite des Gesichts beschränkt.

Kribbeln im Gesicht als Schlaganfall Symptom

Das Symptom des Kribbelns im Gesicht als Symptom bei einem Schlaganfall hat seinen Ursprung  in der vorübergehenden Durchblutungsstörung im Hirnstamm, wo die Hirnnervenkerne für die Gesichtsmuskulatur und Gesichtsgefühl liegen (N. fazialis und N. trigeminus).

Wenn zusätzlich eine Gefühlsstörung im Arm oder auf einer Körperhälfte besteht, ist nicht der Hirnstamm, sondern die Hirnrinde im ACM Stromgebiet (mittlere Hirnrinde) oder die innere Kapsel (Capsula interna) bei einem ischämischen Schlaganfall  betroffen.

Diese eingeschränkte Blutzufuhr führt zum Funktionsverlust der Nervenzellen, der sich durch zwei Arten äußern kann. Zum einen können die durch äußere Reize ausgelösten Signale vom Gesicht an das Gehirn nicht mehr adäquat weitergeleitet werden. Zum Anderen führt die Mangelversorgung dazu, dass die Nervenzellen auch in die andere Richtung nicht mehr richtig funktionieren und dementsprechend falsche oder unangemessene Signale senden. Dies äußert sich dann meistens als das Wahrnehmen von Kribbeln, einem Taubheitsgefühl oder einer Missempfindung.

Äußern tut sich speziell das Kribbeln ganz kennzeichnend nur auf einer Seite des Gesichts mit folgenden verschiedenen Gefühlsstörungen:

  • Dysästhesie = Missempfindungen wie das Gefühl von piksenden “Nadeln und Stichen”
  • Kribbelparästhesien = „Ameisenlaufen“
  • Anästhesie = reduziertes Gefühlsempfinden

Wichtig ist, auch neben dem Empfinden des Kribbelns im Gesicht auch auf andere, parallel vorliegende – oben genannte – Symptome zu achten, und so gezielt die Symptome eines Schlaganfalls zu erkennen. 

Lähmung im Gesicht oder Mundwinkel

Der Hirnnerv, der für die Empfindungen und die Reizaufnahme im Gesicht als zuständig erachtet wird, nennt sich Nervus facialis. Genau genommen geht es hierbei um ein Nervenpaar (für die jeweilige linke und rechte Gesichtshälfte), das im Schädel jeweils etwa auf Höhe des Ohres durch einen engen Kanal am knöchernen Felsenbein verläuft

An dieser Stelle – am Schädelknochen im Bereich von Ohr und Kiefergelenkspfanne – tritt der für die jeweilige Gesichtshälfte spezifische Nervus facialis aus dem Inneren des Schädelknochens heraus und verzweigt sich über jeweils eine Gesichtshälfte – von der Stirn über das Auge und die Wange bis hinunter zum Mund. Vorstellen lässt sich dies als die Krone eines Baums, bei dem die Äste des Nervs wie Baumäste auf die jeweilige Hälfte des Gesichts aufgefächert liegen. Daraus lässt sich auch schließen und erklären, dass dieses Nervenpaar sowohl an den Bewegungen und Empfindungen von Stirn, Auge und Mund beteiligt ist, als auch beim Hören und Schmecken eine Rolle spielt.

Bei einer Fazialislähmung fällt bei der Beobachtung zunächst am deutlichsten auf, dass die Ausprägung der Falten und die Ausdrucksbewegungen (Mimik) einer Gesichtsseite deutlich reduziert oder sogar ganz aufgehoben sind. Sprich, die Stirn ist auf der gelähmten Seite glatter, die Mittellinie des Mundes ist zur gesunden Seite verzogen und der Mundwinkel der Betroffenen steht meist tiefer, er hängt herab.

Versucht der Betroffene, seine Zähne zu zeigen oder zu Lächeln, verzieht sich der Mund zur intakten Seite. Bei einer sehr schweren Gesichtslähmung kommt es zu einem verwaschenen Sprechen (Dysarthrie).Speziell zur Lähmung des Mundes lässt sich auch erwähnen, dass beim Aufblasen des Mundes die Luft auf der betroffenen Seite entweicht und es dem Patienten auch nicht gelingt, zu pfeifen. Der Mund verzieht sich – wie bereits beim Lächeln erwähnt – zur gesunden Seite. Zusätzlich kann aus der gelähmten Mundseite Speichel tropfen. 

Schlaganfall Symptome im Gesicht anhand dem Unterschied zwischen peripherer und zentraler Facialislähmung erklärt.

zentrale Fazialisparese

Kommt es nun im Rahmen eines Schlaganfalls zur Schädigung von Nervenzellen oder Nervenbahnen, welche innerhalb des Gehirns für die Aktivierung des Nervus facialis verantwortlich sind, wird die daraus resultierende symptomatische Gesichtslähmung als zentrale Fazialisparese bezeichnet.

Eine zentrale Fazialisparese kennzeichnet sind dadurch, dass die Stirn noch gerunzelt werden kann, während der Mundwinkel herabhängt und die Augen nur abgeschwächt komplett geschlossen werden können (Sign des cils Zeichen).

periphere Fazialisparese

Im Gegensatz dazu kennzeichnet sich eine nicht durch einen Schlaganfall verursachte periphere Fazialisparese dadurch, dass man die Stirn nicht mehr runzeln kann. Das heißt die Stirnfalten sind verstrichen. Auch Geräusche können auf der betroffenen Seite als überlaut oder gar scheppernd wahrgenommen werden (Hyperakusis). Zudem sind auftretende Geschmacksstörungen auch keine Seltenheit. 

Eine periphere Fazialisparese entsteht typischerweise durch eine Entzündung (idiopathisch vs. Borreliose), oder einen Tumor im Gehirn oder bei Stürzen mit Bedrängung des Gesichtsnerven durch Knochenstücke. Fazialisparesen, die gleichzeitig beide Gesichtshälften betreffen, gelten als sehr selten und kommen meistens bei einer Borreliose vor.

Zuckt die Lippe bei einem Schlaganfall?

Ein Zucken der Lippe kommt im Rahmen eines Schlaganfalls nur vor, wenn zusätzlich durch die akute Reizung des Gehirn ein epileptischer Anfall entsteht. Der typische Verlauf bei einem Hirninfarkt ist jedoch zuerst eine Lähmung, dann das Zucken und bei selbsständigen Stopp des epileptischen Anfall eine erneute Lähmung (Todd’sche Parese). Bei einer Hirnblutung kann es ohne Lähmung zum Zucken des Gesichts kommen.

Meistens breitet sich das Zucken auch auf den Arm, bei vollem Bewusstsein auf (fokaler Anfall). 

Wichtig zu beachten ist jedoch, dass andere Ursachen wie Stress, Müdigkeit, übermäßigen Koffeinkonsum und ein Mangel an Magnesium eine zuckende Lippe verursachen.

zusätzliche Anzeichen eines Schlaganfalls

Die klassischen Anzeichen eines Schlaganfalls, mit denen dieser auch in den meisten Fällen zuverlässig entdeckt wird – lassen sich oft mit der FAST-Methode (Face, Arms, Speech, Time) zusammenfassen. Dabei steht das Akronym FAST für folgende Symptomatik: 

  • Face (Gesicht): Bitten Sie die Person, zu lächeln oder die Zähne zu zeigen. Achten Sie darauf, ob eine Seite des Gesichts hängt oder asymmetrisch aussieht.
  • Arms (Arme): Bitten Sie die Person, beide Arme gleichzeitig zu heben. Beobachten Sie nun, ob ein Arm nach unten absinkt oder nicht gehoben wird.
  • Speech (Sprache): Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz nachzusprechen, z.B. “Es ist ein schöner Tag.” Gestaltet sich die Antwort als verwaschen? Wird überhaupt eine Antwort gegeben?
  • Time (Zeit): Zögern Sie nicht bei einem dieser Symptome. Da beim Schlaganfall jede Minute zählt, sollte man sofort den Notarzt rufen. 

Weitere mögliche, plötzlich auftretende Anzeichen eines Schlaganfalls, auf die man zusätzlich achten kann, sind: Taubheit oder Schwäche auf einer Körperseite, insbesondere in Gesicht, Arm oder Bein, Verwirrung, Probleme beim Sprechen oder Verstehen, Sehprobleme auf einem oder beiden Augen, Schwierigkeiten beim Gehen, Schwindel, Verlust des Gleichgewichts oder der Koordination sowie starke Kopfschmerzen ohne bekannte Ursache.

Aber Achtung – bei Frauen und Männern äußert sich ein Schlaganfall oft auch individuell unterschiedlich. Je nach Ursache für einen Schlaganfall können sich dann auch untypische Symptome präsentieren. 

Schlaganfall-Symptome richtig einordnen: nur für Profis

Anhand der eben beschriebenen FAST-Methode kann man Schlaganfall Symptome erkennen. Ein Schlaganfall kann also von jedem erkannt werden, nicht nur von Profis.

Bei Zweifeln oder unklaren Symptomen, soll aber immer eine ärztliche Abklärung erfolgen, um keinen Schlaganfall zu übersehen.

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass jeder, der sich zuvor mit dem Krankheitsbild des Schlaganfalls ein bisschen vertraut gemacht hat, einen solchen auch erkennen kann. Eine schnelle Reaktion ist entscheidend, um die Folgen eines Schlaganfalls zu minimieren. Es ist wichtig, sofort medizinische Hilfe zu holen – selbst, wenn man sich nicht sicher ist, ob es sich auch wirklich um einen Schlaganfall handelt. 

richtig Erste Hilfe leisten

Gibt es erste Anzeichen für einen Schlaganfall, ist schnelles Handeln entscheidend. Deswegen sollten die Schritte zur Ersten Hilfe beim Schlaganfall klar sein: Zuerst sollte man den Notarzt rufen (112 in Europa) und äußern, dass Sie einen Schlaganfall vermuten.

Der nächste Schritt sollte darin bestehen, Ruhe zu bewahren und den Betroffenen zu beruhigen und keine voreiligen Handlungen treffen.

Optimal ist es, wenn die sich kümmernde Person die auftretenden Symptome genauestens beobachtet und mit Zeitangabe notiert, da dies für die nachfolgende neurologische Behandlung wichtig ist. Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte soll der Betroffene auf Nahrung, Flüssigkeit und die Einnahme von Medikamenten verzichten und seine Vitalfunktionen wie Puls, Atmung und Bewusstsein sollten stetig beobachtet werden. 

Durch schnelles und besonnenes Handeln kann man so das Risiko schwerer Komplikationen verringern und dem Betroffenen die bestmögliche Chance auf eine vollständige Genesung bieten. Insbesondere die Betreuung und Behandlung auf einer Schlaganfalleinheit (Stroke Unit) verbessert die Prognose.

Schlaganfall Augen

Symptome einfach erklärt

Schwarze Flecken Sehen

richtig deuten

ACP Infarkt und homonyme Hemianopsie

WordPress Cookie-Hinweis von Real Cookie Banner