Rollstuhl Anpassung nach einem Schlaganfall: Hilfsmittel für mehr Mobilität

Die Anpassung eines Rollstuhls nach einem Schlaganfall spielt eine entscheidende Rolle um eine Mobilität und Unabhängigkeit  wiederherzustellen. Während der Rehabilitation wird bereits beraten und entschieden, welches Hilfsmittel bei fehlender Gehfähigkeit für den Betroffenen richtig ist. Egal ob Hirnblutung oder Hirninfarkt, es gibt es einige Dinge zu  beachten um mehr Lebensqualität durch einen Rollstuhl als Hilfsmittel nach einem Schlaganfall zu gewinnen.

Durch Auswahl der richtigen Rollstuhl Art sowie Eigenschaften wie Sitzbreite, Sitztiefe, Rückenlehne, Fußstützen, Armlehnen und Lenkräder oder spezielle Anpassungen kann alles auf die individuellen Bedürfnisse und Anforderungen angepasst werden. 

Warum es einen Rollstuhl nach einem Schlaganfall braucht

Es gibt viele Symptome bei der Langzeitfolge eines Schlaganfalls, welche die Mobilität einschränken. Je nach schwere der neurologischen Ausfälle kann ein Rollator oder Gehstock kein sicheres Gehen gewährleisten, sodass die Rückkehr nach Hause verwehrt bleibt.  Ein individuell angepasster Rollstuhl kann die Bewegungsfreiheit zu Hause und im Außenbereich wiedergeben, vorausgenommen das Hilfsmittel wurde den Bedürfnissen richtig ausgewählt und angepasst.

Hier ist eine Liste mit Funktionsstörungen als Folge eines Schlaganfall die einen Rollstuhl als Hilfsmittel erfordern:

  • Hemiparese (Halbseitenlähmung) 
  • Paraparese (Querschnittslähmung bei Schlaganfall des Rückenmarks)
  • Pushersymptomatik (bei Halbseitenlähmung schieben auf die gesunde Seite)
  • Gang und Koordinationsstörung
  • sensible Ataxie (fehlendes Lageempfinden der Beine)
  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefizite
  • Antriebsstörung (frontale Akinese)

Die Wahl des richtigen Rollstuhl für Schlaganfallpatienten für mehr Lebensqualität

Die Wahl der richtigen Rollstuhlart nach einem Schlaganfall ist ein entscheidender Schritt da die individuellen Bedürfnisse stark variieren. Es gibt verschiedene Rollstuhlarten, die jeweils ihre eigenen Vor- und Nachteile haben und eine sorgfältige Beratung durch Fachleute wie Ärzte, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten hilft die beste Wahl zu treffen.

Tabelle der Verschiedenen Rollstuhlarten nach einem Schlaganfall
Verschiedenen Rollstuhlarten nach einem Schlaganfall

Der Lagerungsrollstuhl oder Pflegerollstuhl ist für Patientinnen und Patienten mit wenig oder fehlender Rumpfkontrolle geeignet, also für die Menschen, die nicht in der Lage sind, allein zu sitzen. Dieser Stuhl bietet durch eine Kopfstütze und Beinstützen viel Stabilität und kann sowohl insgesamt geneigt als auch nur am Rückenteil nach vorn und hinten verstellt werden.

Ein Standardrollstuhl ist durch seinen Stahlrahmen sehr robust und langlebig, kann durch verschiedene Zusatzoptionen individuell angepasst werden, eignet sich jedoch aufgrund seiner Schwere nicht dauerhaft zum Eigenantrieb. Er ist ideal als Transportrollstuhl um längere Strecken mit Begleitperson zu überwinden.

Die leichtere und mobilitätsfördernde Variante stellt der Aktivleichtgewicht-Rollstuhl dar. Im Gegensatz zum Standardrollstuhl verfügt er über einen leichten Aluminiumrahmen und ist aufgrund seines geringeren Gewichts besser für den Eigenantrieb geeignet. Somit ist er für Betroffene geeignet die über ausreichende Arm- und Handkraft verfügen 

Elektrische Rollstühle hingegen bieten mehr Bequemlichkeit und können eine Option sein, wenn die körperlichen Fähigkeiten stark eingeschränkt sind oder lange oder steile Strecken zurückgelegt werden müssen.

Zurück ins Leben mit Tipps zur Auswahl des richtigen Rollstuhls

Diese Fragen sind bei der Wahl des Rollstuhls wichtig:

  • Bin ich ständig auf den Rollstuhl angewiesen?
  • Müssen Nahrungspumpe, Urinbeutel oder andere Pflegehilfsmittel Platz finden?
  • Sollte die Positionierung variable sein?
  • Werden weite Strecken zurückleget?
  • Kann der Betroffene selber den Rollstuhl antreiben oder muss er geschoben werden?
  • Gibt es steile Strecken zu bewältigen?
  • Muss der gelähmte Arm gelagert werden?
  • Muss ein Kippschutz montiert werden?
  • Braucht es ein spezielles Sitzkissen um einen Dekubitus zu vermeiden?

Rollstuhl als Hilfsmittel für Schlaganfallpatienten verordnen

Die Hilfsmittelversorgung ist gesetzlich durch § 33 SGB V Hilfsmittel sowie §139 SGB V Hilfsmittelverzeichnis geregelt und wird in den meisten Fällen von der Rehabilitationseinrichtung eingeleitet. In der Rehabilitation wird der richtige Variante ausgewählt und ein Rezept ausgeschrieben, damit vor der Rückkehr nach Hause die richtige Variante in einem vieler Santitätshäuser abgeholt werden kann. Das Sanitätshaus faxt die Bewilligung und das Rezept zur zuständigen Krankenkasse zur Bewilligung.

Verschreibung eines Elektrorollstuhl

Unter bestimmten Voraussetzungen ist die Verordnung über einen Elektrorollstuhl oder einen Scooter möglich. Wenn Patienten weiter Strecken zurücklegen müssen um alltägliche Dinge zu erledigen (Arztbesuche, Einkaufen etc.) ist dies ein Verordnungsgrund.

Damit die Krankenkasse eine Kostenübernahme genehmigt, ist zusätzlich ärztliches Attest notwendig das eine ausreichende Konzentration und Aufmerksamkeit bescheinigt.  Bei Schlaganfall Patienten mit Neglect oder Ausfall des Gesichtsfeldes  werden dann die Kosten für dieses Hilfsmittel nicht übernommen. Die meisten Kostenträgern fordern zusätzlich eine Sitzdauer von mindesten von  zwei Stunden pro Tag.

Die reguläre Versorgung sieht eine Motorausstattung mit einer Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h vor, das entspricht etwa dem üblichen Gehtempo. Wer einen 15 km/h schnellen Elektromotor haben will, muss einen Aufpreis zahlen.  Zusätzlich entsteht bei dieser Motorisierung eine Versicherungspflicht.

Sitzbreite und Sitztiefe

Bei der Auswahl des richtigen Rollstuhl ist die  richtige Sitzbreite und Sitztiefe wichtig, um ein angenehmes Sitzen und gute Stabilität zu gewährleisten. Damit ist eine ergonomisch korrekte Sitzposition gewährleistet.

  1. Messen Sie die Länge Ihres Oberschenkels: Setzen Sie sich auf eine flache Oberfläche und messen Sie den Abstand von der Rückseite Ihrer Hüfte bis zur Kniekehle.
  2. Wählen Sie eine Sitztiefe, die der gemessenen Länge plus etwa 2-4 cm entspricht. Dies ermöglicht ausreichend Platz für Ihre Oberschenkel.
  3. Messen Sie Ihre Hüftbreite: Setzen Sie sich auf eine flache Oberfläche und messen Sie den Abstand zwischen den Hüftknochen.
  4. Fügen Sie 2-4 cm zur gemessenen Hüftbreite hinzu: Dies ermöglicht ausreichend Platz für das Gesäß beim Sitzen. Wenn Ihre Hüftbreite 40 cm beträgt, sollten Sie eine Sitzbreite von 42-44 cm in Betracht ziehen.

Sitzhöhe

Wenn Schlaganfall-Patienten den Rollstuhl hauptsächlich drinnen zur Fortbewegung nutzen, ist die Sitzhöhe so zu wählen, dass die Füße den Boden berühren können um Stabilität und ein Abstoßen zum Trippeln zum ermöglichen. Im Freien ist eine höhere Position besser um Hindernisse leichter zu überwinden.

Rückenlehne und Sitzneigung

Eine Rückenlehne soll ausreichend Unterstützung bieten. Je nach Rumpfstabilität sowie Rumpfkontrolle ist zwischen einer leicht nach vorne geneigten Sitzposition für eine aufrechte Haltung oder einer zurückgelehnten Sitzposition für mehr Rückenunterstützung bei reduzierter Ausdauer zu wählen. Eine zurückgelehnte Lehnen erfordert weniger Rumpfkraft und Sitzausdauer, aber fördert aber nicht diese auch für das selbständige Gehen wichtige Körperfunktion.

Auch die richtige Höhe der Rückenlehne ist wichtig: Eine niedrigere Rückenlehne ermöglicht eine größere Bewegungsfreiheit der Arme und Schultern, während eine höhere Rückenlehne eine bessere Unterstützung für den Rücken bietet. 

Es gibt auch verstellbare Rückenlehnen damit die Neigung oder Position der Lehne je nach Tagesverfassung  anpassbar ist.

Fußstützen und Beinstützen

Fußstützen sollen individuell einstellbar sein, um eine korrekte Beinstützung ohne Druckstellen oder Durchblutungsstörungen  zu ermöglichen. Die Knie sind am besten leicht gebeugt, sodass die Füße bequem darauf ruhen können. Bei einer schweren Lähmung muss auf genügend Entlastung und Unterstützung des Beines geachtet werden.

Beinstützen gibt es nur beim Pflegerollstuhl und sind nur beim schweren Hemiplegiker nötig um das ganze Gewicht der Beine zu tragen.

Armlehnen und Lenkräder

Armlehnen sollen hoch genug sein um die Ihre Arme bequem abzulegen und die Schultern zu entspannen. Die Höhe der Armlehnen sollte so eingestellt sein, dass Ihre Arme im rechten Winkel aufliegen. Außerdem sollen die Lenkräder zum Steuern leicht erreichbarund die Feststellbremsen leicht zum Fixieren oder Öffnen sein.

Zubehör und Anpassungen: Spezielle Mobilität Hilfsmittel nach einem Schlaganfall

Es gibt verschiedene Rollstuhlzubehörteile wie Polster zum Lagern des Armes der betroffenen Seite, Anti-Dekubitus-Kissen und Rückenstützen, um zusätzlichen Komfort und Unterstützung zu erhalten. Bei speziellen Anforderungen wie schwere Lähmungen bei Hemiplegiker können individuelle Veränderungen wie spezielle Steuerungssysteme oder adaptive Geräte in Betracht gezogen werden.

Fazit

Die richtige Auswahl eines Rollstuhls nach einem Schlaganfall ist ein komplexer Prozess, der auf den individuelle Beeinträchtigung und Fähigkeiten basiert. Durch die Berücksichtigung verschiedener Faktoren und die Zusammenarbeit mit Fachleuten kann der Rollstuhl für mehr Mobilität maßgeschneidert werden und Fehlhaltungen vermieden werden. Es ist wichtig zu beachten, dass sich die Bedürfnisse im Laufe der Jahre durch Zweitereignisse oder neuen orthopädischen Problemen ändern. Oberstes Ziel ist wieder aktiv am Leben teilzunehmen und die Lebensqualität zu verbessern.

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