
Fußheberorthese: Fußheber- bzw Peroneusschienen im Überblick
Fußheberorthesen sind wichtig bei einer Fußheberschwäche, doch es gibt viele Modelle zur Auswahl. In diesem Artikel finden sie die beste Peroneusschiene oder Alternative für Ihre individuelle Lähmung, egal ob bei Langzeitfolge nach Schlaganfall oder bei einer „klassischen peripheren Peroneuslähmung“.
Inhalt
Wie entsteht eine Fußheberschwäche?
Eine Fußheberschwäche entsteht durch die Lähmung der Muskeln am Unterschenkel, die den Vorfuß heben.
Zu den Vorfußheber Muskeln zählen:
- M. tibialis anterior
- Musculus extensor digitorum longus
- Musculus extensor hallucis longus
Viele dieser Muskeln sind sowohl für die Vorfußhebung, als auch die Streckung der Zehen verantwortlich. Der wichtigste und kräftigste Vorfußheber bleibt der Musculus tibialis anterior, der prominent an der Schienbeinvorderkante sitzt.
Ursachen für eine Schwäche der Fußheber gibt es viele, aber sowohl die Schädigung des Hauptnervs (Nervus peroneus bzw fibularis), als auch die Schädigung der Hirnregionen des Beines (motorische Kortex) kommen häufig vor.
peripherere Peroneusparese
Die wichtigsten Vorfußhebermuskeln, werden durch den Nervus peroneus versorgt. Dieser Nerv liegt oberflächlich am seitlichen Schienbein am Kopf des Wadenknochens (Fibulaköpfchens). Dadurch wird er leicht im Schlaf oder bei Positionierung für Operationen abgedrückt. Auch Nerventumore oder Knochenbrüche können den Nervus peroneus schädigen.
Wenn der Nerv „nur“ oberflächlich abgedrückt wurde, entsteht ein elektrische Erregungsblockade (Leitungsblock) der sich nach einigen Wochen wieder erholt und die Vorfußheberschwäche wieder von selbst verschwindet. Dieses Krankheitsbild wird als klassische „periphere Peroneusparese“ definiert.
Es ist dringend darauf zu achten, dass Sie die Fußheberorthese bei dieser Lähmung nur so lange wie nötig tragen. Eine deutlich über diese Zeit vorhandene Tragezeit kann die umliegenden Muskeln so stark entlasten, dass diese sich abbauen und es zum Muskelschwund kommt.
Bandscheibenvorfall L5
Gewisse Nervenwurzeln aus unserem Rückenmark sind für bestimmte Muskelgruppen zuständig (Myotome). Die Nervenwurzel L5 versorgt die wichtigsten Vorfußheber und Zehenstrecker. Ein Bandscheibenvorfall der die Nervenwurzel L5 bedrängt kann somit auch eine Vorfußheberlähmung verursachen.
Schlaganfall
Jede Gehirnregion hat ihre eigene Funktion. Es gibt ein Bewegungsareal im Gehirn (motorischer Kortex), in den die Nervenzellen liegen, die für jede Körperregion Bewegungssignale aussendet. Bei Schädigung der gesamten Hirnrinde entsteht eine Halbseitenlähmung, die das Gesicht, den Arm und das Bein inklusive Vorfußhebung lähmt. Aber auch kleinere Schädigungen durch einen Schlaganfall verursachen dann eine beinbetonte oder Vorfußheber betonte Lähmung.

Einsatz der Fußheberschiene
Eine Fußheberschiene, egal welches Modell, dient als Unterstützung bei einer Lähmung der Vorfußhebung. Die Vorfußhebung ist besonders beim Gehen wichtig, da sonst der Fuß beim Schritt am Boden streift oder hängen bleibt. Ohne Peroneusschiene wird das gesamte Bein beim Gehen angehoben und es entsteht dann ein kompensatorischer Steppergang der oft zu Stürze führt.

Was bringt eine Fußheberorthese?
Eine Fußheberorthese macht das Gangbild effizienter, sodass sich die Gangsicherheit verbessert und sich die Gehgeschwindigkeit erhöht. Beim Gehen unterscheiden Physiotherapeuten zwischen Standbein- und Schwungbeinphase. In der Schwungphase setzt man das Bein nach vorne, dabei ist die Vorfußhebung sehr wichtig damit man das gesamte Bein nicht anziehen muss und kontrolliert mit der Ferse abrollen kann. Durch eine Peroneusschiene wird in der Schwungphase das Anheben des Fußes unterstützt und bei Fersenauftritt bzw. Fußauftritt das Abrollen erleichtert. Eine „klassische Peroneusschiene“ gibt zusätzliche Stabilität im Sprunggelenk.
Eine Fußheberorthese sollte man nicht bei schwerer Spastik mit Spitzfußstellung oder anderen neurologischen oder orthopädischen Fußdeformitäten einsetzen!
Wie viele Stunden am Tag sollte man eine Fußorthese tragen?
Grundsätzlich gilt, solang sie keine Druckstellen auf der Haut entwickeln, können Sie die Schiene den ganzen Tag beim Gehen tragen. Nur Nachts hat es keinen Sinn eine Peroneusschiene zu tragen, somit kann man die Haut in dieser Zeit entlasten.
Bei vorübergehenden peripheren Pereoneuslähmungen (typischerweise nach Druckschädigungen), kann man jedoch bei zurückgehender Lähmung als Trainingseffekt, immer öfters ohne Schiene gehen. Das Gleiche gilt in gezielten Physiotherapieeinheiten oder bei zusätzlicher funktioneller Elektrostimulation.
Kann man mit Orthese spazieren Gehen?
Ja, man kann mit einer einer Fußeberorthese spazieren gehen, denn genau dafür wurde sie gemacht um wieder lange zu gehen!
die klassische Peroneussschiene aus Carbon

Was ist eine Peroneusschiene?
Eine Peroneusschiene ist ein Hilfsmittel zum Gehen, die den Fuß im richtigen Winkel stabilisiert, sodass er beim Gehen nicht nach unten hängt (dies nennt man „Fußheberschwäche“ oder „Steppergang“). So bleibt der Gang sicherer, und man stolpert weniger.
Eine Peroneus-Schiene besteht in der Regel aus einem stabilen, leichten Material wie Kunststoff oder Carbon (Kohlefaser). Sie beginnt unter dem Fuß mit einer dünnen, festen Fußplatte, auf der der Fuß ruht – ähnlich wie eine Einlegesohle. Von dort führt eine feste Verbindung, meist eine Art Schiene, entlang der Rückseite oder der Seite des Unterschenkels nach oben. Am oberen Ende der Schiene befindet sich eine Wadenhalterung, die mit einem Gurt oder Klettverschluss sicher um das Bein befestigt ist.
Gibt es Unterschiede zwischen den ganzen Peroneusschienen Modellen?
Ja es gibt Unterschiede im Material, Sitz, Aufbau und Beweglichkeit der Schiene. Außerdem gibt es maßangefertigte Schienen oder Fertig-Modelle.
- Unterschied im Material:
- Weiche Schienen bestehen oft aus Textilien oder weichem Kunststoff. Sie sind flexibel, angenehm zu tragen und gut für leichtere Fußhebeschwächen.
- Feste Schienen bestehen aus stabilem Kunststoff oder Carbon. Sie geben dem Fuß und Bein mehr Halt und werden bei stärkeren Lähmungen eingesetzt.
- Unterschied im Sitz und Aufbau:
- Vorne offene Schienen: Die Stütze verläuft hinten am Bein. Diese Modelle sind oft unauffälliger und passen gut in normale Schuhe.
- Vorne geschlossene Schienen: Die Stütze verläuft vorne am Schienbein. Sie bieten oft mehr Kontrolle, sind aber manchmal auffälliger:
- Unterschied in der Beweglichkeit:
- Unbewegliche Schienen: Halten das Sprunggelenk fest in einem Winkel. Gut für Sicherheit beim Gehen, aber weniger natürlich im Bewegungsablauf.
- Teilbewegliche Schienen: Lassen etwas Bewegung zu – zum Beispiel beim Abrollen oder Treppensteigen.
- Dynamische Schienen: Geben gezielt Impulse zum Heben des Fußes, oft mit Federsystemen (z. B. aus Kohlefaser) – für ein natürlicheres Gehen.
Nicht jede Peroneusschiene passt für jeden! Die Auswahl hängt davon ab, wie stark der Fuß betroffen ist, wie mobil jemand ist, und was im Alltag gebraucht wird. Deshalb ist eine Beratung durch einen Orthopädietechniker/in, Physiotherapeuten/in oder Arzt/Ärztin sehr wichtig. Maßangefertigte Schienen sind deutlich teurer und brauchen eine gut begründete Bestätigung, damit die Krankenkassa die Kosten übernimmt.
Schuhe für Peroneusschiene
Wenn Sie eine Peroneusschiene tragen, ist es wichtig, dass Ihre Schuhe gut zur Schiene passen. So können Sie sicher und bequem gehen, und die Schiene kann richtig wirken.
Achten Sie darauf, dass der Schuh eine weite Öffnung hat. So können Sie den Fuß mit der Schiene leichter hineinschieben. Besonders gut eignen sich Schuhe mit Klettverschlüssen oder Schnürsenkeln, da Sie den Schuh damit individuell anpassen können. Der Schuh sollte außerdem etwas höher geschnitten sein, damit er fest am Fuß sitzt. Eine feste Fersenkappe gibt zusätzlichen Halt.
Wichtig ist auch, dass der Schuh eine rutschfeste und stabile Sohle hat. Am besten ist die Sohle flach und vorne leicht abgerundet, damit das Abrollen beim Gehen leichter fällt. Achten Sie darauf, dass im Inneren des Schuhs genug Platz für die Schiene ist. Viele Betroffene wählen den Schuh daher eine halbe bis eine ganze Nummer größer als gewöhnlich.
Vermeiden Sie weiche oder offene Schuhe wie Ballerinas, Hausschuhe oder Sandalen ohne Fersenriemen. Diese bieten zu wenig Halt und erhöhen das Sturzrisiko.
Foot Up Schiene
Die Foot-Up-Schiene ist eine speziell entwickelte leichte und flexible Orthese, um die Fußhebung bei einer Peroneuslähmung oder Fußheberschwäche zu unterstützen. Ein flexibles Band oder einer Schlaufe wird um den Fuß und den Unterschenkel gelegt und durch eine kleine Spiralfeder oder Kabel den Fuß in eine aufrechte Position gezogen.
Die Foot-Up-Schiene eignet sich besonders für Patienten mit milderer Fußheberlähmung, die viel Bewegungsfreiheit im Sprunggelenk wünschen und keine starke zusätzliche Stabilisierung im Sprunggelenk benötigen. Sie ist einfach anzuwenden und in normalen Schuhen tragbar.
Bandage bei Fußheberschwäche
Bei einer Fußheberschwäche kann eine Bandage helfen, den Fuß beim Gehen etwas anzuheben. Sie wird meistens um den Fuß und manchmal auch um den Unterschenkel gelegt. Durch elastische Bänder oder Zugvorrichtungen wird der Fuß leicht nach oben gezogen, damit er beim Gehen nicht schlurft oder hängen bleibt.
Dies ist von Physiotherapeuten/innen oft nur eine vorübergehende Lösung, falls noch keine passende Schiene vorhanden ist oder man annimmt, dass sich die Lähmung schnell komplett erholen wird.
Funktionelle Elektrostimulation statt Fußheberorthese
Die funktionelle Elektrostimulation (FES) ist eine Therapieform, bei der durch gezielte elektrische Impulse die Schienbeinmuskulatur (M. tibialis anterior) zur Fußhebung stimuliert wird, um Bewegungen zu fördern oder wiederherzustellen. Dabei werden Elektroden auf der Haut am Wadenbein (Fibula) platziert, die elektrische Impulse an die Nerven senden, die die Muskulatur aktivieren und so den Fußheben oder andere Bewegungen wie Gehen oder Treppensteigen unterstützen.
Mit der funktionellen Elektrostimulation werden bei der Fußheberschwäche zwei therapeutische Ziele gleichzeitig verfolgt:
- Zum einen soll sie ein Wiedererlernen ermöglichen: Durch die wiederholte künstliche Nervenstimulation soll das zentrale Nervensystem darauf trainiert werden, die Muskeln wieder selbstständig anzusteuern.
- Zum anderen werden die Betroffenen durch eine Verbesserung der motorischen Funktion wieder mobil.
Wird die funktionelle Elektrostimulation sinnvoll in eine ganzheitliche Therapie mitsamt Physiotherapie eingebettet, kann mit Hilfe dieser Technik ein nahezu natürlicher Gang frei von schädlichen Fehlhaltungen wiedererlernt werden.
Vor- & Nachteile der Alternativen zur Peroneusschiene
Welche Hilfsmittel gibt es bei Fußheberschwäche?
Bei der Wahl einer geeigneten Orthese kommt es darauf an, wieviel Unterstützung Sie benötigen, um den Fuß sicher und flüssiger nach vorn zu bringen. Gerade bei der Versorgung mit einer Fußheberorthese wird eine Erprobung verschiedener Modelle notwendig werden, um herauszufinden, welches für Sie das geeignete ist und womit Sie sich am wohlsten und am sichersten fühlen.
Somit können Sie zwischen diesen Hilfsmittel bei einer Fußheberschwäche Auswählen:
- Bandagen
- klassische Peroneusschiene
- Foot Up Schiene
- funktionelle Elektrostimulation
Eine klassische Peroneusschiene gibt mehr Unterstützung bei der Vorfußhebung und Stabilität im Sprunggelenk, und somit bei schweren Lähmungen ideal. Eine Foot Up Schiene bietet durch ihren Aufbau keine Stabilität im Sprunggelenk und braucht eine Restfunktion der Vorfußheber und wird somit bei leichten Lähmungen eingesetzt. Eine funktionelle Elektrostimulation ist ideal um die gelähmte Muskulatur durch die elektrischen Impulse weiter zu stärken und ein noch flüssigeres Gangbild zu erzielen.
Welche Schiene bei Fußheberschwäche?
Hier folgt eine Tabelle mit Vor- und Nachteile aller Alternativen zu einer Peroneusschiene:
| Kriterium | klassische Peroneusschiene | Foot-Up-Schiene | funktionelle Elektrostimulation |
| Stabilität | hohe Stabilität durch Unterschenkelstütze | geringere Stabilität, da nur der Fuß angehoben wird | keine mechanische Stabilität, aber gezielte Muskelaktivierung |
| Dynamik | eingeschränkte natürliche Bewegung | erlaubt mehr Bewegung im Sprunggelenk | sehr dynamisch – fördert natürlichen Bewegungsablauf durch elektrische Impulse |
| Schuhwahl | benötigt eher weite Schuhe | kann mit normalen Schuhen getragen werden | kann mit normalen Schuhen getragen werden |
| Komfort | kann durch Fixierung am Unterschenkel als störend empfunden werden | angenehmer zu tragen, da nur am Fuß befestigt | kein zusätzliches Gewicht am Fuß, aber Tragen von Elektroden und Steuergerät notwendig |
| Anpassbarkeit | oft individuell angepasst | Standardgrößen, einfache Anwendung | muss exakt angepasst und regelmäßig eingestellt werden |
| Empfohlen | starke Fußheberschwäche, bei zusätzlicher Knöchelinstabilität | leichte bis mittlere Fußheberschwäche | leichte bis mittelschwere Lähmung mit erhaltenem Nerv-Muskel-Kontakt – für aktive Nutzer |
Wie lange muss man eine Fußheberorthese tragen?
Bei einer klassischen „peripheren Peroneuslähmung“ muss die Fußheberorthese nur wenige Wochen getragen werden. Das gleiche gilt bei einem Bandscheibenvorfall, wenn durch eine Operation der Druck auf die Nervenwurzel entlastet wurde, und sich der Nerv wieder erholen kann.
Bei einer chronischen Vorfußheberschwäche wie nach Schlaganfall, bei Multiple Sklerose oder Muskelerkrankungen wie myotone Muselkdystrophie (Morbus Cushman Steinert) benötigt man lebenslang eine Fußheberorthese als Hilfsmittel zum Gehen.
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Was kostet eine Peroneusschiene?
Wenn Sie die Rechnung bei einer Krankenkasse einreichen kostet eine verschriebene Peroneusschiene Garnichts. Je nach Modell müssen bei Amazon mit 30 bis zu 60€ rechnen.
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Bandage |
• bietet am wenigsten Unterstützung und Stabilität |
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Foot-Up Schiene |
• bei leichter Lähmung |
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Foot-Up Schiene |
• bei leichter Lähmung |
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klassische Peroneusschiene |
• bei schwerer Lähmung |
Probleme bei Fußheberorthesen
Typische Probleme und Risiken einer Fußheberorthesesind vor allem falsch angebrachte oder falsch getragene Schiene. Wird die Orthese falsch angebracht, besteht die Gefahr, dass die Patienten Druckstellen und Hautverletzungen im Bereich des oberen Sprunggelenks bekommen. Dies kann auch erst nach einigen Tagen oder Wochen Tragezeit zu Beschwerden führen.
Auch kann es manchmal vorkommen, dass eine zu eng anliegende Orthese zu einem Kribbeln oder auch einem Taubheitsgefühl im Bereich des Fußrückens führt. Das ist ein Zeichen, dass ein Hautnerv abgedrückt wird.
Es ist somit auf den Tragekomfort zu achten, d. h. wenn die Orthese drückt oder aber das normale Abrollen im Fuß nicht wie gewohnt funktioniert, sollte der Sitz und die Lage der Orthese überprüft werden. Sobald solche Beschwerdengespürt werden, sollte die Orthese abgelegt und neu justiert werden.
Wird eine elektrische Orthese getragen, kann es des Weiteren zu Hautirritationen durch den angelegten elektrischen Impuls kommen. Hier muss ggf. die Stärke des Stroms angepasst und reguliert werden.



