Schlaganfall am Kleinhirn: Symptome, Ursachen & Behandlung

Ein Schlaganfall am Kleinhirn kann entweder ein Hirninfarkt oder Hirnblutung sein. Die Symptome sind jedoch die gleichen und äußern sich mit Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Übelkeit oder Extremitätenungeschicklichkeit (Ataxie).

Hirnblutung oder Hirninfarkt bei Schlaganfall im Kleinhirn?

Für die Schlaganfall Ursachen m Kleinhirn, kann man zwischen Hirnblutung oder Hirninfarkt unterscheiden.

Bei einen ischämischen Schlaganfall im Kleinhirn (Kleinhirninfarkt) kommt es zu einem Verschluss der zuführenden Arterien und die Hirnnervenzellen gehen aufgrund einer Sauerstoffunterversorgung zugrunde. Andersrum kommt es bei einer Kleinhirnblutung zum Einbluten in das Hirngewebe, wobei die Ursachen unterschiedlich sind.

Die häufigere unter Kleinhirnschlaganfällen ist die Kleinhirnblutung, bei der es durch erhöhten Blutdruck (hypertensive Krise), Gefäßmissbildungen (Kavernome) oder blutverdünnende Medikamente zur Blutung kommen kann.

Schätzungsweise sind Kleinhirninfarkte mit ihrem Anteil von 2 bis 3 Prozent aller ischämischen Schlaganfälle eher selten. Auch hier kommen mehrere Ursachen infrage, wie beispielsweise eine Verstopfung durch einen gelösten Blutpfropfen aus dem Herzen (Kardioembolie), Gefäßverschlüsse oder -aufriss (Dissektion) von kleineren Gefäßen wie der hinteren Kleinhirnarterie (PICA) genauso wie von größeren Gefäßen wie der Wirbelarterie (Arteria vertebralis). Außerdem kann eine Verkalkung mit Engstelle (atherosklerotische Stenose) zu einem Verschluss vor Ort führen.

Anatomie und Funktion des Kleinhirns

Das Kleinhirn befindet sich direkt über dem Eingang des Rückenmarks in das Gehirn, in der hinteren Schädelgrube direkt unterhalb des Großhirns, mit dem es in engem Kontakt steht.

Kleinhirn Symptome und Kleinhirn Schlaganfall Ursachen.
Kleinhirn Anatomie Bilder © Wikimedia

Es lässt sich als höchste Kontrollinstanz zur Koordination von Bewegungsabläufen beschreiben. Unsere Sinnesorgane leiten aufgenommene Signale an das Kleinhirn weiter, wo diese verwendet werden um die Bewegungssignale zu koordinieren und feinabzustimmen.

In engem Zusammenspiel mit dem Großhirn fungiert es als Koordinator für die gesamte Bewegung des Körpers, beeinflusst die Feinabstimmung maßgeblich und kontrolliert die Muskelgrundspannung (Tonus). Für die Koordination von Augenbewegungen ist vor allem der hintere Teil des Kleinhirns (Vestibulocerebellum) zuständig, während für die Koordination des Rumpfes der Kleinhirnwurm (Vermis) zuständig ist. 

Symptome des Schlaganfall im Kleinhirn

Übersicht der Schlaganfall Kleinhirn Symptome.

Aufgrund der motorischen Aufgaben, die das Kleinhirn erfüllt, liegt es nahe, dass es bei einem Schlaganfall im Kleinhirn zur Störung der Fähigkeit zur koordinierten Bewegung kommt. Diese Koordinationsstörung wird Ataxie genannt.

 Schädigungen im Bereich des Kleinhirns führen hauptsächlich zu Gleichgewichtsstörungen und Doppelbilder bei einer Augenkoordinationsstörung (Nystagmus). Dadurch sind Schwindel, Erbrechen und Übelkeit keine Seltenheit. 

Bewegungsstörungen wie ein erhöhter Grundspannungszustand, Störungen der Bewegungskoordination und unkontrollierte bis überschießende Bewegungen (Ataxie) sind ebenfalls klassische Symptome des Kleinhirninfarkts. Auch können abgehackte und überschießende Sprachschwierigkeiten (skandierendes Sprechen) oder Probleme beim Schlucken auftreten.

Weitere, eher unspezifische Symptome, die aber bei Hirnschwellungen (Ödeme) auftreten können, sind Kopfschmerzen und Bewusstseinstrübungen (Vigilanz). Im Notfalll muss bei einer großen Blutung oder viel Schwellung der Knochendeckel operativ entfernt werden (Kraniotomie), um das Einklemmen des lebenswichtigen Hirnstamms zu verhindern.   

Bedeutung von Gleichgewicht und Schwindel mit Problemen im Alltag

Durch den Kleinhirn Schlaganfall entstehen Störungen des Gleichgewichts. Dies verursacht Gangunsicherheit, Drehschwindel, Übelkeit und Erbrechen. Dadurch sind vor allem ältere Personen besonders gefährdet, auf die betroffene Seite zu fallen und sich dadurch zu verletzen. 

Selbst Hilfsmittel wie Rollator oder Stock helfen anfänglich nicht diese Fallneigung mit Sturzgefahr zu verhindern. Außerdem kann die Ungeschicklichkeit der Hand (Ataxie) die Selbstständigkeit im Alltag stark einschränken.

Therapie bei Kleinhirnschlaganfall

Kleinhirninfarkt

Die Therapiemöglichkeiten des ischämischen Kleinhirnschlaganfalls unterscheidet sich nicht zu der von Hirninfarkten in anderen Teilen des Gehirns. Auch bei einem Kleinhirninfarkt gilt, dass die schnelle Wiederherstellung der Blutzufuhr im Zentrum steht und die Zeit bis zur Therapie der größte Faktor und Schwierigkeit zum Therapieerfolg darstellt. 

Ist die Blutversorgung des Kleinhirns durch eine Gefäßverstopfung reduziert, kann sowohl eine Thrombolyse als auch eine Thrombektomie angewendet werden. Bei der Lyse wird ein Medikament, welches Blutgerinnsel auflösen kann, so schnell wie möglich über eine Vene verabreicht. Vorteil ist hier vor allem der zeitliche Aspekt, da diese Therapie schnell – meist schon in der Notaufnahme – verabreicht werden kann. 

Lässt sich das Gerinnsel (Thrombus) nicht medikamentös auflösen und befindet sich in einem größeren Gefäß, kommt die mechanische Auflösung der Verstopfung (Thrombektomie) zum Einsatz. Diese kann bis zu sechs Stunden nach Symptombeginn angewandt werden.  

Ebenfalls denkbar ist eine Kombination beider Therapiemöglichkeiten, da vor allem bei Verschlüssen von größeren Arterien eine Lysetherapie nicht ausreicht. Den Vorteil der schnellen Zugänglichkeit der Lyse sollte man dennoch ausnutzen und somit die Thrombektomie vorbereiten.

Kleinhirnblutung

Leidet der Patient unter einer kleinen Blutung, kann diese konservativ mittels medikamentösen Blutdrucksenkern und Abwarten behandelt werden. Fällt die Blutung allerdings massiv aus mit Bedrängung anderer Hirnstrukturen, ist eine operative Ausräumung der Kleinhirnblutung oder die Anlage eines Hirnwasserabflusses (Liquordrainage) empfohlen.

Rehabilitation

Kurzzusammengefasst hat das Kleinhirn eine hohe Lernfähigkeit (Neuroplastizität) und die gesunde gegenüberliegende Kleinhirnhemisphäre kann schnell verlorengegangene Funktionen übernehmen. Die Rehabilitation des Nervensystems kann je nach Schweregrad des Schlaganfalls ambulant oder stationär erfolgen.

Vereinfacht gesagt heißt das: auch wenn die Koordination und Steuerung von Gleichgewicht und Bewegung direkt nach der Schädigung im Kleinhirn beeinträchtigt ist, heißt das noch nicht, das sich diese Fähigkeiten nicht mehr erlernen lassen. Ganz im Gegenteil – Schlaganfälle, die auf den Bereich des Kleinhirns im zentralen Nervensystem beschränkt sind, lassen sich gut rehabilitieren. 

Hierbei muss beachtet werden, dass sich Schlaganfälle individuell gestalten und sich je nach Patient unterschiedlich ausprägen. Je nach Bereich des Gehirns, Symptom und Funktionsfähigkeit vor Erkrankung, sollten Therapiepläne speziell auf den Patienten und seine Bedürfnisse erstellt und schrittweise angepasst werden. Prägen sich die Schlaganfallsymptome bei Patienten besonders durch Störungen der Körperhaltung (Stammataxie) aus, lässt sich das Rehapotenzial als sehr gut beschreiben. Klagen Patienten über Defizite an den Extremitäten, wird die Prognose als schlechter angesehen. 

Generell strebt man aber immer eine interaktive Rehabilitation mit möglichst umfangreicher Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit und Aufrechterhaltung des Gleichgewichts an. 

Im Zentrum steht die Beseitigung der Schwierigkeiten bei der Ausführung von Bewegungen. Die Beeinträchtigung des Patienten im alltäglichen Leben sollte nach einem Schlaganfall als so gering wie möglich angestrebt werden. Gleichgewichtsstörungen sollen dabei minimiert und der Bewegungsfluss (Koordination) gleichzeitig maximiert werden. Deswegen setzt sich die Rehabilitation meist aus mehreren Fachgebieten der Medizin wie Physiotherapie, Rumpf- und Gleichgewichtstherapie, Sprachtherapie (Logopädie), kognitives Training und Ergotherapie zusammen. 

MRT oder CT zur Diagnose des Kleinhirn Schlaganfalls

Die Diagnosestellung ist beim Schlaganfall von besonderer Bedeutung, da sich die Therapie je nach festgestellter Art  (Infarkt oder Blutung) unterscheidet. Während die medikamentöse „Blutverdünnung“ beim Infarkt anzustreben ist, gilt es diese bei einer Hirnblutung zu vermeiden. 

Unterschied und Vorteile von CT oder MRI bei Hirninfarkten.

Hirnblutungen sind in der Computertomographie (CT) immer sichtbar, während kleine oder frische Kleinhirninfarkte nur in der Kernspintomographie (MRT) sichtbar gemacht werden können. Auch das Auftreten einer Gefäßmissbildung (Kavernom) lässt sich nur im MRT darstellen. Nur große bereits demarkierte (also mit abgestorbenen Hirnnervenzellen) lassen sich im CT darstellen, dies ist meistens erst 4 Stunden nach Symptomauftritt der Fall.

Kleinhirninfarkt mit Hirnstammbeteiligung

Beschränkt sich der Hirninfarkt nicht nur auf das Kleinhirn, kann dies schwere Folgen nach sich ziehen. Aufgrund der unmittelbaren Nähe des Hirnstamms und der selben Gefäßversorgung durch die Wirbelarterie (Arteria vertebralis) kann deswegen eine Hirnstammbeteiligung oft mit einem Kleinhirninfarkt einhergehen.  

Der Hirnstamm ist für die Steuerung von essenziellen Lebensfunktionen wie Atmung, Herzschlag und Blutdruck zuständig. Dementsprechend gravierend können – je nach Größe, Dauer und Art des Gefäßverschlusses – die Folgen eines sich auf diesen Bereich des Gehirns ausbreitenden Schlaganfall des Kleinhirns gestalten.

Die bereits erwähnte PICA ist ein Ast der Wirbelarterie. Wenn sich diese durch den Infarkt verschließt, äußert sich das in einer Ischämie des Versorgungsgebietes im Gehirn (Wallenbergsyndrom). Klinisch prägt sich dieses durch verschiedenste Symptome aus.

Dazu zählen: Sensibilitätsstörung mit herabgesetzter Druck- beziehungsweise Berührungsempfindung durch Beeinträchtigung des Trigeminus-Nerves (Hypästhesie), Heiserkeit, verschiedenste Sprachstörungen (Dysarthrie), Gaumensegellähmung, die in Schluckstörungen (Dysphagie) resultieren, Schwerhörigkeit (Hypakusis), einseitige Bewegungsstörungen der Extremitäten und das Horner – Syndrom. Darunter versteht man die drei Hauptsymptome aus Pupillenverengung (Miosis), Herabhängen des oberen Augenlids (Ptosis) und das Zurückziehen des Augapfels in die Augenhöhle (Enopthalmus), die gemeinsam auftreten. 

Prognose, Lebenserwartung und Erfahrungen

Grundsätzlich gilt, dass jeder Schlaganfall anders ist, sich individuell äußert und deswegen auch die jeweilige Prognose nach einem Schlaganfall als spezifisch anzusehen ist. Allgemein lässt sich aber sagen, dass hauptsächlich drei Faktoren die Prognose und Lebenserwartung beeinflussen: die Größe des Schlaganfalls, das Alter des Betroffenen und Vorerkrankungen, insbesondere ältere Schlaganfälle.

Umso kleiner der Kleinhirnschlaganfall umso besser ist die Prognose. 

Hirnblutungen mit Hirnstammkompression haben deswegen eine schlechtere Prognose als Kleinhirnblutungen ohne Bedrängung. Auch die Prognose der Kleinhirninfarkte gliedert sich in den Bereich mit guter Aussicht ein. Allerdings nur, wenn sich dieser nicht auf den Hirnstamm ausbreitet. 

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