Transitorisch ischämische Attacke: der „Mini-Schlaganfall“

Was bedeutet die Abkürzung TIA?

„TIA“ steht für transitorisch ischämische Attacke und wir am besten als vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns übersetzt.

Was ist eine transitorisch ischämische Attacke?

Eine transitorisch ischämische Attacke ist ein Schlaganfall, genauer gesagt eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns, der sich selbstständig wieder rückbildet. Früher wurde eine TIA als unter 24h Stunden andauernde Schlaganfall Symptomatik definiert, da neuere Studien zeigen, dass bis zu 50% aller TIA mit Durchblutungsstörungen in der Magnetresonanz (Diffusionsstörungen) zeichnen. Diese Definition ist veraltet, nun zählt jede vorübergehende Schlaganfall Symptomatik ohne Hirninfarkt im MR (Diffusionsstörung) als TIA.

Unterschied zwischen TIA und Hirninfarkt (ischämischer Schlaganfall).
Unterschied zwischen TIA und Hirninfarkt (ischämischer Schlaganfall)

Was ist der Unterschied zwischen einer TIA und Schlaganfall?

Ein ischämischer Schlaganfall ist eine Durchblutungsstörung mit nachweisbaren Infarkt in der Computertomografie (nur ältere oder große Schlaganfälle) oder Magnetresonanz (sowohl frische als auch kleine Schlaganfälle sichtbar). Im Gegensatz dazu ist laut neuer Definition, eine TIA eine vorübergehende Schlaganfall Symptomatik ohne Hirninfarkt Nachweis in der Bildgebung (CT oder MR).

Was für Symptome treten bei einer transitorisch ischämischen Attacke auf?

Die häufigsten Symptome einer transitorisch ischämischen Attacke sind die gleichen wie bei einem Schlaganfall. Dazu zählen Halbseitenlähmungen, Sprach- und Sprechstörungen sowie Gefühlsstörungen. Unter anderem können auch schwarze Punkte vor einem isolierten Auge (Aumorosis fugax Attacken) oder Gleichgewichtsstörungen bzw. Schwindelattacken auftreten. Diese Anzeichen treten in 90% der Fälle unter 60 Minuten an (im Durchschnitt um die 15 Minuten) mit Ausnahme der Amaurosis fugax Attacke (schwarze Punkte vor einem Auge), welche fast immer unter 5 Minuten andauert.

Was sind die Folgen einer TIA?

Die Folge nach einer transitorisch ischämischen Attacke ist, dass das Schlaganfall erheblich erhöht ist. Bei einer TIA ist das Schlaganfallrisiko im ersten Monat bei 4% und im ersten Jahr bei 12% (siehe diese Studie). Für die 48h Stunden nach einer TIA gibt es den ABCD2 Bewertungssystem, welches je nach Risikofaktoren das Schlaganfall Risiko innerhalb von 48 Stunden auf niedrig (1%) oder hoch (8,%) einschätzt wird (siehe diese Studie). Bei über 4 Punkten wird die Überwachung in einer Schlaganfalleinheit (Stroke Unit) empfohlen.

Übersicht ABCD2 Score zum Berechnen des Risiko einen Schlaganfall nach einer transitorisch ischämischen Attacke zu bekommen.
Risiko einen Schlaganfall nach einer TIA zu bekommen

Wie diagnostiziert man eine transitorisch ischämische Attacke?

Die Diagnose einer transitorisch ischämischen Attacke basiert auf drei Säulen

  • Klinik
  • Ausschluss einer Differentialdiagnose
  • Negative Magnetresonanz

Die typischen Anzeichen einer transitorisch ischämischen Attacke sind die gleichen wie bei einem Schlaganfall, dauern aber im Durchschnitt um die 15 Minuten an. Wichtig ist, dass die Symptome zu einem Hirnstromgebiet passen (z.B. linkes Hirnstromgebiet mit Halbseitenlähmung rechts und bzw. oder Sprachstörung).

Die häufigsten Erkrankungen die eine transitorisch ischämische Attacke Nachahmen sind Migräne mit Aura und epileptische Anfälle.

Bei einer Migräne mit Aura können die gleiche Ausfallserscheinungen wie bei einem Schlaganfall entstehen mit Sprachstörung, Gefühlsstörung oder ganz selten Lähmungen (bei einer vererbten Migräne Erkrankung). Ein großer Unterschied bei der Migräne ist, dass optische Phänomene eine positive Symptomatik haben, das heißt keine schwarzen Flecken oder Punkte, sondern Blitze oder Farben. Der typische Migräne Kopfschmerz kommt erst nach verschwinden der neurologischen Symptome. Außerdem wandern die Symptome einer Migräne über mehrere Hirnstromgebiete und dauern zwischen 5 und 20 Minuten an (nie über 60 Minuten).

Ein epileptischer Anfall muss nicht immer klassisch mit krampfen ablaufen. Es gibt auch isolierte Sprach- oder Gefühlsstörungen als epileptischer Anfall. Nach dem epileptischen Krampfen einer Körperseite oder Extremität, können länger andauernde Lähmungen verweilen (Todd’sche Parese). Egal ob transitorisch ischämische Attacke oder epileptischer Anfall, auch bei gleichen Symptomen, gehören diese von einem Neurologen abgeklärt.

Was sind die Ursachen einer transitorisch ischämischen Attacke?

Die Ursachen einer transitorisch ischämischen Attacke sind gleichen wie bei einem Schlaganfall und verschließen vorübergehend Hirnarterien.

Die häufigsten Ursachen einer transitorisch ischämischen Attacke.
Die häufigsten Ursachen einer TIA

Wie behandelt man eine TIA?

Je nach Ursache der transitorisch ischämischen Attacke gibt es verschieden Therapie Möglichkeiten.

  • „starke Blutverdünnung“ bei Vorhofflimmern (mit DOAK oder OAK)
  • „leicht Blutverdünnung“ mit Thrombozytenaggregationshemmern
  • Blutdruck senken mit Medikamenten oder Lifestyle Veränderungen
  • Cholesterin (LDL) senken mit Medikamenten oder Lifestyle Veränderungen
  • Zigaretten Reduktion oder kompletter Rauchentzug
  • Langzeitzucker mit Medikamenten oder Lifestyle Veränderungen senken

Wenn einer hoher ABCD2 Score (ab 4 Punkten) vorliegt, wird zusätzlich die Überwachung auf einer Schlaganfall Einheit (Stroke Unit) empfohlen.

Was benötigt man zur Abklärung einer transitorisch ischämischen Attacke?

Um die Ursachen einer transitorisch ischämischen Attacke zu finden braucht es folgende Untersuchungen:

  • Bildgebung des Gehirns (Computertomografie oder Magnetresonanz)
  • Ultraschall der Halsschlagader
  • Zumindest EKG oder am besten ein Langzeit EKG (24h)
  • Ultraschall des Herzen (transthorakal oder transösophageal, über den Brustkorb oder über die Speiseröhre)
  • Regelmäßige Blutdruckkontrollen
  • Blutabnahme mit Langzeitzucker und Blutfettwerte (LDL-Cholesterin)
Überblick der wichtigsten Untersuchungen zur Ursachenforschung bei einer TIA.
die wichtigsten Untersuchungen zur Ursachenforschung bei einer TIA

Hat man Kopfschmerzen bei einer transitorisch ischämischen Attacke?

Kopfschmerzen sind kein typisches Symptom einer transitorisch ischämischen Attacke. Einerseits kann bei extrem hohen Blutdruck Entgleisungen (hypertensive Entgleisung) mit Blutdruckwerten bis zu über 200mmHg systolisch kann sowohl eine transitorisch ischämische Attacke auftreten als auch Kopfschmerzen als Zusatzsymptom. Andererseits äußert sich Migränekopfschmerzen als pochende, meist halbseitige Kopfschmerzen mit Übelkeit und bzw. oder Licht oder Lautempfindlichkeit. Die neurologischen Ausfallerscheinungen treten immer vor den Kopfschmerzen auf, sodass bei der erstmaligen Episode mit Kopfschmerzen mit Aura erst im Nachhinein die richtige Diagnose erkennbar ist.

Darf man nach einer transitorisch ischämischen Attacke Autofahren?

Laut den deutsche Begutachtungsleitlinien (2020) zur Kraftfahrneigung muss die Ursache der transitorisch ischämischen Attacke bekannt sein, damit durch eine entsprechende Therapie das Rückfallrisiko abgeschätzt und minimiert werden kann.

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