Schlaganfall trotz unauffälligem MRT?

Ein Schlaganfall trotz unauffälligem MRT ist keine seltene Diagnose. Dabei handelt es sich immer um einen Hirninfarkt, der so klein ist, dass das MR den Schlaganfall nicht darstellen kann (MR negativer Schlaganfall), aber die Symptome typisch wie bei einem Schlaganfall verlaufen sind.

Warum ein MRT bei Schlaganfall?

Wichtig zu wissen ist, dass bei einem Schlaganfall zwischen Hirnblutung und Hirninfarkt unterschieden wird. Bei einem MR negativen Schlaganfall geht es immer um einen ischämischen Schlaganfall (Hirninfarkt), bei dem ein Gefäß sich verschlossen hat und eine Minderdurchblutung im Gehirn entsteht.

Das MRT (Magnetresonanztomographie) braucht zwar länger und ist aufwendiger als ein CT (Computertomographie), hat jedoch zwei große Vorteile gegenüber seinen Konkurrenten:

  • das MR kann sehr kleine Schlaganfälle durch eine Diffusionsstörung darstellen (insbesondere im Hirnstamm)
  • das MR kann sehr früh Schlaganfälle darstellen (nach 30 Minuten Minderdurchblutung) durch die gleiche Diffusionsdarstellung im Gegensatz zum CT (Demarkierung von Hirninfarkten nach circa 4 Stunden)

Die Diffusionssequenz des MR stellt das Anschwellen der Gehirnnervenzellen (Neuronen) da, die bereits nach wenigen Minuten Minderdurchblutung, durch die Sauerstoffunterversorgung entsteht.

Diagnostik bei unauffälligen MRT bei Schlaganfall.

wie ein unauffälliges MR bei Schlaganfall entsteht

Leider ist die Medizin nicht perfekt und manchmal ist der Hirninfarkt einfach zu klein, aber strategisch an einer wichtigen anatomischen Stelle des Gehirns, welche sofort schwere Symptome auslöst, und somit kann auch das MRT die Ursache der Schlaganfallsymptome (den Hirninfarkt) nicht darstellen. Dies ist insbesondere im Hirnstamm der Fall, weil dort viele wichtige Hirnnervenkerne und Bahnen auf einen kleinen Raum eng verlaufen. Ein Klassiker sind Gangstörungen mit Schwindeln, welche durch einen Hirninfarkt des Hirnnervenkerns des Gleichgewichtsorgan entsteht.

Eine andere Möglichkeit eines unauffälligen MRT bei Schlaganfall Symptomatik ist ein technisches Versagen der Diagnostik: Entweder das MR ist nicht  genau genug (1,5 statt 3 Tesla) oder die Schichtung zu grob.

Außerdem ist eine vorübergehende Durchblutungsstörung, bei der sich das Gerinnsel von selbst oder durch Lyse oder Blutverdünnung, wieder auflöst ein gutes Konzept um den MR negativen Schlaganfall zu erklären. Somit handelt es sich um die Definition einer TIA (transitorisch ischämischen Attacke) bei der die neurologische Beschwerden 24 Stunden anhalten, aber keine Diffusionsstörung im MR auftritt (sonst wäre es ein ischämischer Schlaganfall).

Differenzialdiagnosen bei MR negativen Schlaganfall

Eine häufige Ursache für ein negatives MR bei Schlaganfallsymptomen sind Erkrankungen die unter „peripher vestibuläre Störungen“ zusammengefasst werden. Dabei kommt es zu Schwindel mit Gleichgewichtsstörungen durch Erkrankungen des Gleichgewichtsorgan im Ohr selbst.

Die drei häufigsten Differenzialdiagnosen bei MR negativen Schlaganfall sind drei Erkrankungen des Gleichgewichtsorgan:

  • Neuritis vestibularis: Entzündung des Gleichgewichtsnerven, mit langsamen Auftreten, typischer Augenbewegungsstörung (Nystagmus) und Fallneigung
  • BPPV (benigner paroxsymaler Lagerungsschwindel): Falsche Lage von Steinchen im Gleichgewichtsorgan (Otolithen) die bei Kopfbewegungen Schwindelattacken auslösen
  • Morbus Meniere: Einriss der Hörschnecke in das Gleichgewichtsorgan mit Hörstörung und Schwindelattacke

Bei Lähmungen und Gangstörungen können außerdem phobische Störungen im Rahmen von Belastungssituationen oder funktionelle Lähmungen bei psychiatrischen Erkrankungen auftreten

Bei streifenförmigen Gefühlsstörungen in Hand und Fuß mit oder ohne Lähmung gewisser Muskeln, müssen Bandscheibenvorfälle (radikuläres Syndrom) in Betracht gezogen werden.

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