Schlaganfall im Rückenmark: Rückenmarksinfarkt einfach erklärt

Der Rückenmarksinfarkt ist eine selten vorkommende Durchblutungsstörung wie bei einem Hirninfarkt (ischämischer Schlaganfall). Weil eine Rückenmarksarterie verstopft ist, gehen Nervenzellen zugrunde und es entsteht plötzlich eine Querschnittssymptomatik. 

Blutversorgung und Anatomie des Rückenmarks

Das Rückenmark (Medulla spinalis) befindet sich im Spinalkanal zwischen den Wirbelkörpern und reicht vom Foramen magnum, wo es mit dem Gehirn verbunden ist, bis etwa zum 1. bis 2. Wirbel der Lendenwirbelsäule bei Erwachsenen.

Übersicht und Fakten zur Rückenmarksanatomie.

Es besteht aus weißer und grauer Substanz. Die graue Substanz bildet das zentrale H-förmige Gebiet und besteht hauptsächlich aus Nervenzellkörpern (Neuronen) und deren Verlängerungen (Dendriten). Die weiße Substanz umgibt die graue Substanz und enthält langen Nervenbahnen. Sie besteht aus umhüllte (myelinisierte) Nervenfasern (Axone).

Das Rückenmark ist in 31 Segmente unterteilt, die jeweils einem Paar Spinalnerven entsprechen: 8 Zervikalnerven, 12 Thorakalnerven, 5 Lumbalnerven, 5 Sakralnerven und 1 Kokzygealnerv.

Die Blutversorgung wird durch Spinalarterien (Arteria spinalis anterior, Arteria spinalis posterior und Radikulärarterien) bewerkstelligt. 

Symptome bei spinaler Ischämie

Ein Rückenmarksinfarkt tritt plötzlich auf mit einer Querschnittslähmung (Paraparese), absteigende Gefühlsstörungen und Blasen-Darmstörungen.

Übersicht der Symptome bei Schlaganfall im Rückenmark.

Die Sauerstoffunterversorgung durch unzureichende Blutzufuhr des Rückenmarks (Ischämie) kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, die je nach betroffenem Bereich des Rückenmarks variieren können. Zu den häufigsten Symptomen gehören hauptsächlich plötzliche Rückenschmerzen (gesteigerte Schmerzwahrnehmung), Lähmung und Sensibilitätsstörungen wie Taubheitsgefühle, Kribbeln und „Ameisenlaufen“ in den Extremitäten. Diese Symptome können in den Armen, Beinen oder im Rumpf auftreten und sind oft seitensymmetrisch.

Weiters können motorische Defizite (Schwäche oder Lähmungserscheinungen der Extremitäten in den unterschiedlichsten Ausmaßen), Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Stuhlgang (Störung der Blasen- und Darmfunktion, Störungen der Sexualfunktion, eine erhöhte Muskelspannung und spastische Bewegungen (Spastizität), Auftreten von verminderten oder verstärkten Reflexen in den betroffenen Bereichen, sowie ungewöhnliche Empfindung von Schmerz und Temperatur (gestörtes Temperaturempfinden vor allem unterhalb der jeweiligen Läsion). 

Beachtet man, dass durch die vorliegende Schädigung des Rückenmarks das Nervengewebe abstirbt und somit Impulse und Befehle vom Gehirn nicht mehr adäquat weitergeleitet werden können, werden die Symptome, die bis zum querschnittsgelähmten Betroffenen führen können, klar.

Die Schwere und Kombination dieser Symptome hängen stark davon ab, welche Teile des Rückenmarks geschädigt sind und wie ausgeprägt die Durchblutungsstörung ist. Im Akutfall ist eine rasche medizinische Intervention erforderlich, um dauerhafte Ausfälle zu minimieren.

Ursachen für einen Schlaganfall im Rückenmark

Der Rückenmarksinfarkt wird durch mehrere Ursachen ausgelöst:

  • Arteriosklerose: Verengung oder Blockierung der Gefäße durch Ablagerungen von Fett und Cholesterin (Plaques).
  • Aortenerkrankungen: Auch Aneurysmen oder Dissektionen der Aorta können die Blutversorgung beeinträchtigen. Ein Einriss der Aortenwand (Dissektion) kann den Blutfluss zu den Gefäßen unterbrechen. Dann wird kein Sauerstoff mehr zum Rückenmark weitergeleitet (ischämische Ätiologie).
  • Embolien: Blutgerinnsel, die sich von anderen Teilen des Körpers lösen und die Arterien des Rückenmarks verstopfen. Diese Gerinnsel können von Herzklappenerkrankungen, Vorhofflimmern oder anderen Herzerkrankungen stammen (kardioembolische Ätiologie). 
  • Trauma: Verletzungen der Wirbelsäule können die Blutgefäße beschädigen und die Blutversorgung unterbrechen.
  • Operationen: Chirurgische Eingriffe an der Aorta, insbesondere im Brust- oder Bauchbereich, können die Arterien, die das Rückenmark versorgen, beeinträchtigen oder Gerinnsel entstehen lassen.
  • Gerinnungsstörungen: Erkrankungen, die das Blut dicker machen oder die Bildung von Blutgerinnseln fördern, können das Risiko für eine spinale Ischämie erhöhen.
  • Spinale Arteriovenöse Malformationen (AVMs): Abnormale Verbindungen zwischen Arterien und Venen, die zu Blutungen oder vermindertem Blutfluss führen können (Gefäßmissbildungen). 

Ein spinaler Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall und erfordert sofortige Diagnose und Behandlung, um die besten Chancen auf eine Erholung zu gewährleisten und dauerhafte Schäden zu minimieren.

Diagnose des Rückenmarksinfarkt

Die Diagnostik eines Rückenmarksinfarkts setzt sich aus verschiedenen Aspekten zusammen, die so frühzeitig wie möglich angesetzt werden sollten. Dazu gehören vor allem die klinische Untersuchung, die sich aus einer umfassenden Anamnese und einer neurologischen Untersuchung zusammensetzt. 

Bestätigt sich dabei der Verdacht auf einen Rückenmarksinfarkt, wird das radiologische Mittel der MRT-Untersuchung eingeleitet. Die Magnetresonanztomographie stellt dabei das primäre Diagnosewerkzeug zur Visualisierung des Rückenmarks und zur Identifizierung von Infarkten. Mit MRT werden Ischämien, Blutungen und andere strukturelle Veränderungen im Rückenmark detailliert dargestellt.

Therapie

Die Therapie eines Rückenmarkinfarkts ist komplex und erfordert eine schnelle und umfassende Herangehensweise, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen und weitere Schäden zu minimieren. 

Dabei umfasst die Behandlung mehrere Schritte:

Die Akutbehandlung umfasst zum einen die Stabilisierung des Betroffenen durch Sicherstellung der Vitalfunktionen, Kontrolle von Blutdruck, Herzfrequenz und Atmung. Danach folgt die Verabreichung von Blutverdünnern um weitere Gerinnsel zu verhindern (Antikoagulation mittels Heparin oder Acetacylsalicylsäure)

In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, z.B. zur Reparatur eines Aortenaneurysmas oder zur Entfernung von Blutgerinnseln.

Die Behandlung wird individuell an den Patienten angepasst, basierend auf dem Ausmaß der Schädigung, den zugrunde liegenden Ursachen und den spezifischen Symptomen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen medizinischen Fachrichtungen (Neurologie, Kardiologie, Gefäßchirurgie, Rehabilitation) ist entscheidend für eine erfolgreiche Therapie und Rehabilitation.

Rehabilitation bei Rückenmarksinfarkt

Unter einer gezielten Rehabilitation nach einem Rückenmarksinfarkt versteht man einen, sich als langwierig und komplex gestaltenden Prozess. Er konzentriert sichd auf die Wiederherstellung der Funktion, die Verbesserung der ebensqualität und, sollte der Betroffene gelähmt sein, die Förderung der Selbstständigkeit abzielt.

Die Hauptkomponenten der Rehabilitation bei Rückenmarksinfarkt sind:

  • Physiotherapie, die sich auf die Anbahnung fehlender Bewegungen, Muskelstärkung und Koordination der Muskulatur stützt
  • Ergotherapie zur Förderung der Selbstständigkeit mittels Übungen zur Wiedererlangung und Verbesserung der Alltagsfähigkeiten, Hilfsmittelanpassung und Verbesserung der Feinmotorik

Auch eine psychologische und soziale Unterstützung zur Bewältigung von emotionalen und psychologischen Auswirkungen sollte in der Rehabilitation stattfinden. 

Die Rehabilitation sollte so früh wie möglich beginnen und kontinuierlich an die Fortschritte und Bedürfnisse des Patienten angepasst werden. Ein individuell abgestimmter Rehabilitationsplan, der regelmäßig überprüft und angepasst wird, ist entscheidend für den Erfolg der Rehabilitation.

Prognose

Die Prognose nach einem Rückenmarksinfarkt variiert stark und hängt von verschiedenen Faktoren ab,. Darunter zählt das Ausmaß und die Lokalisation der Ischämie, das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten, sowie die Geschwindigkeit der medizinischen Intervention. 

Beispielsweise lässt sich durch den zeitlichen Verlauf der Rückbildung der Hypästhesie (umso schneller, desto besser) eine bessere Prognose ziehen. Auch mittels Messung der elektrisch evozierten Potenziale lassen sich prognostische Schlüsse ziehen, da diese die Untersuchung der Leitfähigkeit von Nervenbahnen erlaubt. 

Die vollständige Erholung kann Wochen bis Monate dauern. In manchen Fällen können Patienten eine signifikante Besserung ihrer Symptome und Fähigkeiten erleben, während andere möglicherweise dauerhafte Behinderungen haben.

Viele Patienten können trotz Einschränkungen ein zufriedenstellendes Leben führen, insbesondere wenn sie Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung, Rehabilitation und sozialer Unterstützung haben. Die Anpassung an neue Lebensumstände und die Entwicklung von Strategien zur Bewältigung der Behinderungen sind entscheidend für eine gute Lebensqualität.

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