Mikroangiopathischer bzw. lakunärer Schlaganfall: Ursachen und Therapie einfach erklärt!

Ein mikroangiopathischer Schlaganfall wird auch lakunärer Infarkt genannt und ist eine Form des Hirninfarkts. Bei einem lakunären Infarkt verschließen sich sehr kleine Arterien.

Was ist ein mikroangiopathischer Schlaganfall?

Ein mikroangiopathischer Schlaganfall ist eine Unterform des Hirninfarkts. Von einem mikroangiopathischen Schlaganfall spricht man, wenn es zur Verengung oder zum Verschluss in kleineren Hirngefäßen im Laufe der Jahre durch eine Ansammlung ungesunder Risikofaktoren wie einer arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck), Rauchen oder Blutfetterhöhung (Hypercholesterinämie) kommt.

Der Grund dafür ist die zunehmende Proteinablagerung kleiner Arterien (Hyalinisierung) mit Verlust der Durchblutungsteuerung und Arteriosklerosen (Gefäßverkalkungen). Zu den allermeisten Fällen sind die Endarterien, die sogenannten Arteriae Lenticulostriatae (Abgänge der Arteria cerebri media, eines der drei Hauptgefäße im Gehirn), davon betroffen. Diese Arteriae Lenticulostriatae versorgen die „Innere Kapsel“ (Lange Bewegungsbahnen) und die sogenannten Basalganglien.

Die Folge einer Mikroangiopathie ist ein lakunärer Infarkt. Diese treten häufig im Bereich der Basalganglien, im Thalamus und im Hirnstamm auf. In den jeweiligen gebieten bilden sich seeförmige Hirninfarkte (Lakunen), die auch diesem Schlaganfalltyp ihren Namen geben. Von diesen Lakunen findet man oft mehrere mit einem Durchmesser von maximal 1,5cm. Je nachdem wo und wie viele Lakunen sich bilden, variiert auch das klinische Erscheinungsbild von den Patienten.

Die subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie (SAE), die früher als „Binswanger-Krankheit“ bezeichnet wurde, bildet eine spezielle Form des hypertensiv bedingten mikroangiopathischen Schlaganfalls. Mit ihr assoziiert man die vaskuläre Demenz, weswegen sie oft auch als vaskuläre Leukenzephalopathie bezeichnet wird.

Ursachen und Risikofaktoren

Mikroangiopathische Infarkte sind altersbedingt und entwickeln sich oft über Jahre durch viele Erkrankungen eines ungesunden Lebensstils. Dabei kann ein Gefäß entweder durch eine Lipohyalinose (Proteinablagerung) oder durch eine Arteriosklerose verstopft werden.

Dies sind die Risikofaktoren für einen mikroangiopathischen bzw. lakunären Schlaganfall:

  • schlecht oder nicht behandelter Bluthochdruck
  • Zuckerkrankheit (Diabetes)
  • Hypercholesterinämie
  • Rauchen
Risikofaktoren eines mikroangiopatischen bzw. lakunären Schlaganfalls.

Bei der Arteriosklerose (Arterienverkalkung) kommt es zu Ablagerungen (Plaques) an der Gefäßwand, die zunächst nur den Durchmesser der Arterien verkleinern, aber mit der Zeit sie vollsändig verengen und verstopfen können.

Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck belastet das Blutgefäßsystem enorm. Dies führt zu mikroskopisch kleinen Verletzungen an den Gefäßwänden, die eine Fett- und Cholesterinanlagerung begünstigen.

Auch bei einem Diabetes Mellitus (Zuckerkrankheit) kommt es aufgrund den dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten zu einer Schädigung der Gefäßwände. Auch dadurch werden Plaques (Ablagerungen) und Bildung von Lipohyalinosen begüntsigt.

Ein weiterer Risikofaktor ist das Rauchen, welches aufgrund den schädlichen Inhaltsstoffen die Blutgefäße belastet. Vor allem ist Nikotin dafür verantwortlich, welches einerseits die Bildung von Plaques begünstigt und andererseits zu einem erhöhten Blutdruck führt.

Typische Symptome eines lakunären Infarkts

Meistens haben lakunäre Infarkte einen asymptomatischen Verlauf, weil sie oft nur sehr kleine Hirnareale beschädigen. Wenn jedoch mehrere oder größere Gefäße plötzlich verstopfen kommt es durch die Sauerstoff Unterversorgung zu einem Hirninfarkt.

Typisch für lakunäre Infarkte ist, dass nur Lähmungen oder Lähmungen gemischt mit Sensibilitätsausfällen auftreten. Typische kotrikale Störungen der Hirnrinde, wie zum Beispiel Aphasie (Sprachstörung) oder Neglect (Aufmerksamkeitsstörung), kommen bei mikroangiopathischen Infarkten nicht vor.

Jedoch gibt es auch typische Symptome, die auftreten können. Diese unterscheidet man in der Klinik als 5 lakunäre Syndrome (LACS):

  1. Dysarthria-Clumsy-Hand-Syndrom
    Hierbei sind Bereiche der Pars basilaris pontis (Brücke) und Genu capsulae internae (Teil des Großhirns) betroffen. Es kommt folglich zur Ungeschicklichkeit, Schwäche und gestörten Feinmmotorik in der kontralateralen Hand. Diese Symptome zeigen sich vor allem beim Schreiben. Des Weiteren kommt es zu einer Sprechstörung (Dysarthrie).
  2. Pure Motor Stroke
    Dies macht die häufigste Form aus. Es kommt zum Infarkt im Bereich der Crus posterius capsulae internae (zwischen Thalamus und Nucleus lentiformis) und Pars basilaris pontis (Brücke). Es kommt zu einer kontralateralen Hemiparese, das heißt eine leichte und unvollständige Lähmung der Muskeln der gegenüberliegenden Körperhälfte. Manchmal kommt es auch zusätzlich zu einer Dysarthrie (Sprechstörung) und Dysphagie (Schluckstörung).
  3. Pure Sensory Stroke
    Durch ein Infarkt im Bereich des Nucleus ventralis posterolateralis (Thalamus) kommt es zu einer kontralateralen Hemihypästhesie. Das bedeutet, dass man eine herabgesetzte Berührungs- und Schmerzempfindung auf der gegenüberliegenden Körperhälfte hat.
  4. Mixed Sensorimotor Stroke
    Diese Form ist eine Mischung aus einem Pure Motor Stroke und einem Pure Sensory Stroke. Daher kommt es sowohl zu einer kontralateralen Hemiparese als auch zu einer kontralateralen Hemihypästhesie von Gesicht, Armen und Beinen. 
  5. Ataktische Hemiparese
    Die ataktische Hemiparese bildet die zweithäufigste Form. Hierbei kommt es zu Infarkten im Bereich der Crus posterius capsulae internae, Pars basilaris pontis oder Corona radiata (Großhirnrinde). Sie zeigt sich mit einer kontralateralen, beinbetonten Hemiparese und einer homolateralen Ataxie (Störung der Bewegungskoordination).

Diagnose des mikroangiopathischen Schlaganfalls

Die Diagnose eines lakunären ischämischen Schlaganfalls erfolgt mit einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie (MRT).

Bei den mikroangiopathischen Infarkten ist die MRT der CT überlegen, da man schon sehr früh sehr kleine Infarkten erkennen kann. Verantwortlich dafür ist die diffusionsgewichtete Sequenz (DWI), die bereits 30 Minuten nach der Symptomatik das Infarktareal erkennbar darstellen lässt.

Kleinere lakunäre Infarkte lassen sich erst im Laufe der Zeit im CT erkennen. Jedoch sind größere lakunäre Schlaganfälle auch im CT sehr gut sichtbar. Eine Ausnahme bilden die Infarkte im Bereich des Hirnstamms, vor allem im Pons (Brücke). Diese sind unabhängig von ihrer Größe sehr schlecht im CT darstellbar.

Therapie des lakunären Schlaganfalls

Bevor man mit einer Therapie startet, beurteilt man die Befunde mit dem National Institutes of Health Stroke Scale (NIHSS). Dabei werden Parameter, wie Bewusstsein, Sensibilitätsstörungen, Sprache etc. bewertet. Die Summe aller Werte ergeben maximal 42 Punkte. Mit einer Lysetherapie startet man in der Regel ab einem NIHSS > 5 Punkte. Dabei wird eine starke Blutverdünnung meist intravenös in eine Armvene gespritzt, welches dann zum Auflösen des Blutgerinnsels führt

Die Lysetherapie ist nur eine Akuttherapie. Um einen erneuerten lakunären Infarkt zu verhindern, beginnt man mit einer dualen Plättchenhemmung (Thrombozytenaggregationshemmung). Dabei wird meistens eine Kombination aus Acetylsalicylsäure (ASS) und Clopidogrel gegeben. In Studien wurde gezeigt, dass eine duale Antikoagulationstherapie das Rezidivrisiko deutlich mehr senkt als eine Monotherapie. Da jedoch beide Substanzen das Blutungsrisiko stark erhöhen, sollten sie nach individueller Nutzen-Risiko-Abschätzung verabreicht werden.

Da die Risikofaktoren auch eine sehr starke Rolle spielen, sollte man versuchen, diese zu beseitigen. Beispielsweise sollte man bei Patienten mit einer arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck) den Blutdruck gut einstellen. Auch Diabetes Mellitus Patienten sollten mit einer individuell passenden medikamentösen Therapie ihre Blutzuckerwerte unter Kontrolle kriegen. Außerdem sollten sie auch eine diätologische Beratung in Anspruch nehmen, da auch die Ernährung hierbei eine sehr wichtige Rolle spielt. Auch Raucher sollten über das Risiko aufgeklärt und eine Hilfe zur Raucherentwöhnung angeboten werden.

Prognose

Dadurch, dass bei einem lakunären Infarkt nur sehr kleine Anteile des Gehirns geschädigt werden, ist die Prognose meist sehr gut. Wie bei jedem Schlaganfall ist das Alter des Patienten (umso Älter umso schlechter), die Größe des Schlaganfalles und vorangegangene neurologische Schäden wichtige Prognosefaktoren. Mikroangiopathische Schlaganfälle in der Kapsel (Capsula interna, lange Bewegungsbahnen), erholen sich besser als Hirnstamminfarkte.

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