Medikamente Hirninfarkt

Mit Aspirin einen Schlaganfall vorbeugen oder erste Hilfe leisten?

Aspirin ist bei ischämischen Schlaganfall das wichtigste blutverdünnende Medikament um einen Hirninfarkt zu verhindern oder vorzubeugen. Aspirin verhindert, dass die Blutplättchen (Thrombozyten) zusammenkleben und ein Gerinnsel bilden, welches ein Gefäß verschließen kann.

Aspirin zählt jedoch zur „leichten Blutverdünnung“ und verhindert nur ischämische Schlaganfälle (Hirninfarkte), die nicht im Herzen bei Vorhofflimmern entstehen (sogenannte kardioembolische Schlaganfälle).

Wie wirkt Aspirin?

Allgemeine Fakten zu Aspirin und Schlaganfall.

Aspirin zählt zur Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAIDS = non steroidal anti-inflammatory drugs) und kennzeichnet sich dadurch, dass es kein Steroid ist, aber dennoch entzündungshemmend wirkt. Zusätzlich lässt es sich als schmerzstillend und fiebersenkend beschreiben. 

Der Wirkstoff von Aspirin (ASS) nennt sich Acetylsalicylsäure. Dieser wirkt durch Hemmung des körpereigenen Enzyms Cyclooxygenase, welches für die Bildung von Prostaglandinen zuständig ist. Prostaglandine sind Botenstoffe, die unter anderem bei der Entstehung von Schmerz und Entzündungen eine zentrale Rolle spielen.  

Eine zusätzliche Rolle kann dem Aspirin bei der Hemmung der Blutgerinnung zugeschrieben werden. So verhindert die Acetylsalicylsäure das Verklumpen von Blutplättchen (Thrombozyten) miteinander, weswegen auch umgangssprachlich als „Blutverdünner“ betitelt wird.

Die Wirkung wird ebenfalls durch die Hemmung der Cyclooxygenase vermittelt. Da diese unwiderruflich blockiert wird, hält die Wirkung der Gerinnungshemmung so lange an, bis neue Blutplättchen gebildet werden – also mehrere Tage.

Wie kann Acetylsalicylsäure beim Hirninfarkt helfen?

Die gerinnungshemmende Wirkung kann man nun auf die Therapie von Herzinfarkt oder Schlaganfall ausweiten. Auslöser eines Herzinfarkts und Schlaganfalls ist nämlich in beiden Fällen ein Blutgerinnsel, das ein Gefäß im Herz oder Gehirn so verstopft, dass die ausreichende Versorgung des Organs – oder zumindest Teile dessen – mit Sauerstoff und Nährstoffen nicht mehr gewährleistet werden kann.

Dem soll nun die tägliche Einnahme von ASS (Aspirin) durch dessen blutverdünnende Wirkung entgegenwirken. Denn durch die Acetylsalicylsäure werden die Blutplättchen (Thrombozyten) gehemmt, so die Entstehung eines Blutgerinnsels (Thrombus) vermieden und die Verstopfung des Gefäßes wird erst gar nicht gebildet. Aspirin schützt also die Gefäße bei Verkalkungen (Atherosklerose) und kann so das Schlaganfallrisiko senken. 

Aspirin als Erste Hilfe bei Schlaganfall Symptomen

Nun liegt es nahe, dass Aspirin als leicht zugängliches Medikament bereits zur Ersten Hilfe beim Schlaganfall dienen könnte. Allerdings gilt hierbei zu beachten, dass sich Schlaganfälle in zwei verschiedene Kategorien einteilen lassen. Zum einen gibt es den ischämischen Schlaganfall (Hirninfarkt), der durch die oben beschriebene Verstopfung von Gefäßen durch ein Blutgerinnsel entsteht. Zum anderen lässt sich die Hirnblutung (hämorrhagische Schlaganfall) nennen, bei dem die Einblutung durch Aspirin verschlimmert werden würde.

Denn Grundlage des hämorrhagischen Schlaganfalls ist keine Verstopfung, sondern viel mehr die Verletzung einer Arterie im Gehirn. Wird nun zusätzlich mit gerinnungshemmenden Medikamenten therapiert, blutet das Gewebe länger nach und es kommt zur längeren Unterbrechung der Blutversorgung im Gehirn – das genaue Gegenteil des Therapieziels wird also erreicht. Die Form eines Schlaganfalls bestimmt also direkt den Nutzen von Aspirin. 

Als Erste Hilfe eignet sich die Einnahme von Aspirin also nicht. Ohne entsprechende bildgebende Diagnostik erhöht man das Risiko für größere Einblutungen und Gerinnsel im Gehirn. Stattdessen sollte bei Verdacht auf eine Hirnblutung oder Herzinfarkt auf Symptome wie Sprachstörungen und starke Kopfschmerzen geachtet werden. 

Deswegen wird es allgemein nicht empfohlen, Aspirin ohne ärztliche Diagnostik in der Akuttherapie des Schlaganfalls anzuwenden. Außerdem sollte man bei Verdacht auf Schlaganfall schnellmöglich die Rettungskette im Ganz setzen und die Rettung anrufen, denn umso schneller die Ursache eines Schlaganfall behoben werden kann, umso mehr Hirngewebe kann vor dem Absterben gerettet werden.

Statistik wie Aspirin den ersten und zweiten Schlaganfall verhindern kann.

Primärprävention: den ersten Schlaganfall vorbeugen

Es ist allgemein bekannt, dass im Alter und mit Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck sowie Rauchen, Gefäße verkalken (Atherosklerose). Auf Basis dieser Verkalkungen entstehen häufiger Gerinnsel, die zum Verstopfen von Gefäßen führen kann. Je nach zu versorgendem Organ kann daraus ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt entstehen. 

Anlaufstellen zur Vorbeugung eines Schlaganfalls sollten deswegen primär die Grunderkrankungen an sich darstellen, also Erkrankungen wie Bluthochdruck um die Verkalkung der Blutgefäße zu verlangsamen.

Um zu entscheiden ob man Aspirin einnehmen soll um den ersten Schlaganfall vorzubeugen, muss man den Grad der Verkalkung der Halsschlagader wissen. 

  • bei schwerer Atherosklerose der Halsschlagader mit oder ohne Engstelle (Stenose), schützt T-Ass sicher vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkten und Hirninfarkten
  • bei leichter Atherosklerose ohne Engstellen der Halsschlagader schützt Aspirin vor Herzinfarkten, aber nicht vor Hirninfarkten

Die individuell zugeschnittene Prävention mit einer gesunden Ernährung und einem aktiven Lebensstil sind, um einen Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen, für beide Risikogruppen nützlich.

Sekundärprävention: den zweiten Schlaganfall verhindern

Die Fakten zu Aspirin zur Sekundärprophylaxe sind beeindruckend: in den ersten 6 Wochen nach Schlaganfall wird das Schlaganfall Risiko durch T-Ass um 60% reduziert, über mehrere Jahre auf 20%.

Wichtig ist, dass Aspirin nur eine „leichte Blutverdünnung“ ist. Dass heißt bei einem Schlaganfall durch Vorhofflimmern ist eine starke Blutverdünnung von Nöten.

Mit T-Ass kann man sich vor folgenden Schlaganfallarten schützen:

  • makroangiopathische Schlaganfälle (lokal-thrombotisch oder arterio-arteriell embolisch)
  • mikroangiopathische Schlaganfälle (lakunäre Hirninfarkte)

Ein wichtiger Fakt ist, dass Ass nur in Notfällen oder hohem Blutungsrisiko für eine Operation abgesetzt werden sollte. Das Risiko für einen zweiten Schlaganfall nach Absetzten von Aspirin für eine Operation ist 3,5fach erhöht und die Überbrückung mit Heparin subkutan (Lovenox) hat kaum eine Wirkung auf das Schlaganfallrisiko. 

Aspirin bei dem „Mini Schlaganfall“ TIA

Unter TIA (transitorisch ischämische Attacke) versteht man eine kurzweilige Unterversorgung des Gehirns für die Dauer von meistens unter einer Stunde. Dabei zeigt sich die selbe Symptomatik wie bei einem Schlaganfall. In der Bildgebung lässt sich allerdings kein Infarkt nachweisen. 

Somit schützt Aspirin auch sehr gut gegen TIA, da eine TIA eine Unterform des Hirninfarkts ist.

Nebenwirkungen bei Einnahme

Zu den häufigsten, meistens jedoch insgesamt selten auftretenden Nebenwirkungen, zählt das Risiko für Blutungen. Neben Magendarmblutungen (erkennbar durch schwarzen Stuhlgang oder blutigen Erbrechen) ist auch eine Hirnblutung eine mögliche Nebenwirkung von Aspirin.

Grundsätzlich besteht ein erhöhtes Risiko zur Blutung unter der Einnahme von Aspirin. Hirnblutungen sind jedoch mit 0,02% pro Jahr relativ gering und Dosis (mehr als 300mg Aspirin) abhängig. Außerdem sind ein hoher unbehandelter Blutdruck und ein Alter über 75 Jahre mit einem hören Blutungsrisiko verbunden.

Dosierung

Leitliniengerecht sollte man nach der deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) zur Sekundärprophylaxe 50 – 150 mg Aspirin einnehmen, woraus sich die Kernempfehlung zur Einnahme von 100 mg Aspirin täglich ergibt. (829) 

Es gibt jedoch sogenannte, Ass-Non-Responder. Das heißt bei ca. 15-30% der Patient wirkt das Medikament nicht, was durch Bluttest wie z. B.  PFA-100 ®, Multiplate® oder VerifyNow® getestet wird.

Alternative Tablette zu T-Ass

Als Alternative zu T-Ass wurde das Medikament Clopidogrel entdeckt. Es hemmt ebenfalls die Blutgerinnung und tut dies dadurch, dass es die Verklumpung von Blutplättchen (Thrombozyten) untereinander verhindert. 

Aspirin und Clopidogrel wirken ähnlich gut im Hinblick auf die Sekundärprophylaxe von Schlaganfällen. 

Vergleicht man die Nebenwirkungen beider Medikamente, lässt sich jedoch sagen, dass es unter Clopidogrel seltener zu schweren Blutungen, dafür aber etwas öfter zu allergischen Hautreaktionen kommen kann. 

Als Schlaganfallprophylaxe ist die Kombinationsbehandlung mit ASS nur über einen befristeten Zeitraum bei schweren Stenosen der Halsschlagader oder Stents vorgesehen.

ACM Infarkt

TIA: der „Mini Schlaganfall“

zweiter Schlaganfall trotz Blutverdünnung

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