Posterior (ACP) Infarkt: Begriffe, Symptome & Prognose

Ein ACP Infarkt („Posterior Infarkt“) ist ein Hirninfarkt in der hinteren Gehirnarterie und betrifft hauptsächlich den Hinterhauptslappen. Typische Symptome sind Gesichtsfeldausfälle sowie Verwirrung.

Definition eines ACP-Infarkts

Einer von den drei arteriellen Hauptgefäße des Gehirns ist die paarige Arterie cerebri posterior, auch ACP oder hintere Hirnarterie genannt. Sie entsteht durch die Teilung der unpaaren Arteria basilaris im hinteren Stromgebiet der Bluthirnversorgung . Durch eine Anastomose (Verbindung), welche Arteria communicans posterior genannt wird, ist sie mit der Arteria cerebri media (mittlere Hirnarterie) auf beiden Seiten verbunden und hat somit einen Kurzschluss zu dem vorderen Blutversorgungsgebiets des Gehirns. 

ACP Infarkt (Posterior Infarkt) Anatomie mit Blutversorgung und Versorgungsgebiet der Hirnlappen.
Hirnkreislauf © Elsevier

Durch ein Verschluss der Arteria cerebri posterior entsteht ein ACP-Infarkt, manchmal auch als Posteriorinfarkt bezeichnet. Der Hirninfarkt liegt typischerweise im hinteren Anteil des Gehirns, nämlich im Hinterhauptslappen (Occipitallappen) und im unteren Anteile des Schläfenlappens (Temporallappen). Je nachdem ob nur eine Hemisphäre oder beide betroffen sind, teilt man den Schlaganfall in unilateral und bilateral ein. 

Symptome

Die Symptome lassen sich mit der Anatomie der Arteria cerebri posterior erklären. Sie wird insgesamt in vier Segmente unterteilt und versorgen verschiedene Hirnareale.  Die ACP versorgt diese vier Hirnareale:

  • Hinterhauptslappen (Okzipitallappen)
  • untere Anteile des Schläfenlappens (Temporallappen)
  • Thalamus (Sekretär bzw. Filter des Gehirns)
  • Hippocampus (Zuständig für Verhalten und Gedächtnis) 
  • hintere Abschnitte des Hypothalamus (Zentrum der Hormonsteuerung)

Daraus ergeben sich folgende typische Symptome eines ACP Infarkts:

Typische ACP Infarkt (Posterior Infarkt) Symptome.
Hemianopsie Bild © Wikipedia
  • Homonyme Hemianopsie (Gesichtsfeldeinschränkung)
  • Quadrantenanopsie
  • Gedächtnisstörungen
  • Verwirrtheit
  • Hemihypästhesie auf der Gegenseite (herabgesetztes Gefühlsempfinden)

rechtsseitiger und linksseitiger Arteria cerebri posterior Infarkt

Es gibt keinen Unterschied zwischen rechts und links beim ACP Infarkt, im Gegensatz zum ACM Infarkt, bei dem linksseitig eine Aphasie entsteht. Nur die Symptome kreuzen dementsprechend auf die Gegenseite.

Eine homonyme Hemianopsie, also eine Sehstörung mit halbseitigem Gesichtsfeldausfall, stellt das häufigste klinische Merkmal eines einseitigen Posteriorinfarkts dar. Dabei sieht der Betroffene auf beiden Augen halbseitig die zur durch den Schlaganfall betroffenen Gegenseite nicht. Bei einem rechtsseitigen ACP-Hirninfarkt sieht er/sie sowohl am rechten als auch am linken Auge das linke Gesichtsfeld nicht.

Ist nur ein Teil der Sehstrahlung durch einen Schlaganfall betroffen, gibt es nur einzelne Quadrantenausfälle des Gesichtsfelds. Bei einer beidseitigen Schädigung, kommt es zu einer Rindenblindheit. 

Die Kombination aus Schädigungen im Hinterhauptslappen, untere Anteile des Schläfenlappens sowie Thalamus führen zu Gedächtnisstörungen sowie Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit.

Eine Studie hat gezeigt, dass bei Patienten mit einer linksseitigen Läsion, mehr Gedächtnisschwierigkeiten und Aufmerksamkeitsdefizite aufgetaucht sind. Eine weitere Studie hat gezeigt, dass bei Patienten mit rechtshemisphärischen ACP-Läsionen zwar Gesichtsausdrücke erkennen konnten, aber Gesichter nicht mehr korrekt zuordnen konnten.

Bei einem ausgedehnten Infarkt oder punktuellen Störung des hinteren Kreislaufs ist zusätzlich das Zwischenhirn, also der Thalamus betroffen. Dadurch kommt es zu einem Thalamussyndrom mit kontralateraler Hemihypästhesie, das heißt eine herabgesetzte Berührungs- und Schmerzempfindung auf der Gegenseite.  

Diagnostik

Zu den sichersten Diagnoseverfahren zählt die Bildgebung mit CT und MRT, weil man dadurch zwischen einem Hirninfarkt und Hirnblutung unterscheiden kann. Dies ist wichtig für die Klinik, da man auch je nachdem die Therapie optimieren kann. 

CT (Computertomographie) wird v.a. bei Notfällen eingesetzt. Ziel ist, eine akute Blutung im Gehirn auszuschließen um eine starke Blutverdünnung zu beginnen (Lysetherapie). Schon nach 2-6 Stunden nach Symptombeginn kann man die Frühzeichen eines ischämischen Schlaganfalls im CT erkennen. 

Das cMRT (kraniale Magnetresonanztomographie) stellt eine Alternative zum CT in Akutsituationen dar. Die Durchführung braucht zwar viel länger, jedoch kann man durch ein MRT schon sehr kleine und frische Infarkte sehr gut erkennen. 

Ursachen des ischämischen ACP Schlaganfalls

kardioembolisch

Bildet sich ein Thrombus (Blutgerinnsel) im Herzen, löst sich dieser mit der Zeit ab und gelangt sie über die Arteria vertebralis (hintere kleine Halsschlagader) in den hinteren Kreislauf des Gehirns. Dort zieht der Thrombus über die Arteria basilaris zur Arteria cerebri posterior und unterbricht dort die Sauerstoffzufuhr. Ursachen eines kardioembolischen Schlaganfalls können Vorhofflimmern, Gefäßklappenentzündungen oder Schädigungen der Klappen sein. 

makroangiopatisch

Durch eine Atherosklerose kommt es zu einem größeren Gefäßverschluss, welches einen makroangiopathischen Posteriorinfarkt verursacht. Zu einem derartigen Verschluss kann es durch eine Verengung (Stenose) in einer der großen Arterien im Gehirn kommen oder durch Ablagerungen von Kalkstücken (atherosklerotische Plaques), die zu einem Verschluss der Strombahn führen. 

Therapie bei Mediainfarkt

Lyse

Bei der Lysetherapie injiziert man einen sehr starken Blutverdünner in den Körper, damit sich der Thrombus im Gehirn auflösen kann. Je schneller man mit einer Lysetherapie beginnt, umso weniger Defizite erwartet man, da man eine Minderdurchblutung von noch mehr Hirngewebe stoppen kann. Jedoch reicht eine Lyse alleine bei größeren Gerinnsel nicht aus, um den Thrombus komplett aufzulösen. 

Thrombektomie

Hierbei wird ein Katheter über die Leistenarterie bis in die Gefäße im Gehirn vorgeschoben, um den Thrombus zu entfernen. Diesen Vorgang nennt man „Angiografie“. Sie kann mit oder ohne eine Lysetherapie durchgeführt werden und kann bis zu 6 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome erfolgen. Wichtig ist jedoch, dass die Patienten während des Eingriffs sehr ruhig bleiben, um die Arterien nicht zu verletzen, weshalb auch manchmal eine Narkose verabreicht wird. Verkalkungen in der Leiste, in der Halsschlagader oder im Gehirn selbst können einen derartigen Eingriff verhindern. Des Weiteren kann man aber bei Engstellen direkt ein Stent implantieren, damit ein Wiederverschluss der Gefäße nicht vorkommen kann. 

Die Arterie cerebri posterior ist durch eine Angiographie sehr schwer zu erreichen. Eine Ausnahme bildet der lebensbedrohliche Basilarisverschluss, welcher zu beiden „Arteria cerebri posterior“ führt. 

Prognose

Tretet ein Posteriorinfarkt isoliert auf, ist es kaum möglich daran zu versterben, da der Hinterhauptlappen zu wenig Masse hat um durch eine Verschwellung (Ödem) weitere Hirngebiete einzuklemmen.

Es gilt wie bei jedem Schlaganfall, dass die Größe (umso kleiner desto besser), Schweregrad der Symptome sowie das Alter (junge Patienten erholen sich besser) die Prognose am stärksten beeinflussen.

Die neurologischen Defizite, die dadurch verursacht werden, sind schwer zu therapieren und der Verlauf der Besserung ist ein maßgeblicher Faktor für eine mögliche komplette Erholung. Gesichtsfeldeinschränkungen sowie weitere neurokognitive Defizite schränken den Alltag der Patienten sehr stark ein.

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