Anterior (ACA) Infarkt: Begriffe, Symptome & Prognose

Ein ACA Infarkt ist durch einen Verschluss der vorderen Hirnarterie (Arteria cerebri anterior) verursacht und löst dementsprechend Hirninfarkte im vorderen Lappen des Gehirns aus. Nur 2% aller ischämischen Schlaganfälle sind ACA Infarkte und haben eine einseitige Beinlähmungen oder Verhaltensstörungen als typische Symptome.

Definition eines ACA-Infarkts

Die A. cerebri anterior gehört zu den drei Hauptgefäßen im Gehirn und ist ein Ast der Halsschlagader (Arteria carotis interna). Ein Verschluss dieser Hirnarterie führt durch eine Minderversorgung mit Sauerstoff des Gehirns zum ACA-Infarkt. 

Übersicht der Anatomie sowie Versorgungsgebiete der Arteria cerebri anterior (ACA).
Hirnkreislauf © Elsevier

Anatomisch wird die rechte und die linke vordere Arterie durch die Arteria communicans anterior miteinander verbunden. Aufgrund des Verlaufs der Arterie wird sie in zwei Segmente unterteilt. Als A1-Segment bezeichnet man den vorderen Abschnitt, der sich im Circulus arteriosus cerebri befindet. Das A2-Segment bildet den hinteren Abschnitt. 

Symptome

Aufgrund des arteriellen Versorgungsgebiet der ACA sind folgende Teile des Gehirn beeinträchtigt:

  • Stirnlappen (Frontallappen)
  • Mantelkante (Hirnrinde an der Kante zwischen beiden Hirnhälften)
  • innere Anteile des Scheitellappens (Parietallappen)
  • Corpus Callosum (Balken, welcher beide Hirnhälften miteinander verbindet)
  • vordere Anteile der Capsula interna (Bewegunsbahnen, welche durch das Gehirn bis in das Rückenmark zieht)
  • Basalganglien

Somit ergeben sich folgende typische Symptome eines ACA Infarkts:

  • Beinbetonte Halbseitenlähmung
  • Verhaltensstörungen
  • Sprechstörungen oder Sprachstörungen (Aphasie)
  • Koordinationsschwierigkeiten (Ataxie)
Übersicht der typischen ACA Infarkt Symptome.

rechtsseitiger und linksseitiger Arteria cerebri anterior Infarkt

Es gibt keine Unterschiede der Symptome je nach betroffener Hirnseite, im Gegensatz zum ACM Infarkt mit Aphasie bei linksseitigem Schlaganfall.

Bei einem links- oder rechtsseitigem Arteria cerebri anterior Infarkt kommt es zur Lähmung des  gegenüberliegenden Beines. Dabei wird durch den Hirninfarkt die Mantelkante mit dem Bewegungszentrum des Beines beeinträchtigt.

Des Weiterem kommt es zum Gedächtnisverlust oder Persönlichkeitsstörungen durch Schädigungen im Stirnlappen (Frontallappen), welches Zentrum unserer Persönlichkeit und sozialem Verhalten ist. Des Weiteren kommt es zum Neglect (Aufmerksamkeitsstörung), Abulie (Willenlosigkeit), Apathie (Unempfindlichkeit) und Verwirrtheit. 

Außerdem kann es noch zur Urininkontinenz und zu einem pathologischen Greif- und Saugreflex als Zeichen der Enthemmung kommen.

linksseitiger Anteriorinfarkt

Bei einem linksseitigen ACA Infarkt kann die  Sprache betroffen sein, wenn die sogenannten Basalganglien geschädigt werden. Es kommt zur Reduktion der Spontansprache und es tauchen Wortfindungsstörungen auf. 

Diagnostik

Für die Diagnostik werden bildgebende Verfahren, wie MRT und CT benötigt, welche unterschiedliche Vor- und Nachteile haben. 

Ein CT (Computertomographie) kann sehr schnell und leise durchgeführt werden und ist daher auch für die rasche Diagnose und weitere Therapie sehr wichtig. Jedoch kann man damit nur große und ältere Infarkte über 2 Stunden erkennen. 

Im Gegensatz dazu kann man mit einem MRT (Magnetresonanztomographie) schon sehr kleine und frische Infarkte (< 2 Stunden) sehen. MRT ist auch essentiell für das Erkennen des Infarktmusters und der Blutungsursache. Jedoch ist es sehr laut, eng und braucht viel länger Zeit als ein CT.  

Ursachen des ischämischen ACA Schlaganfalls

kardioembolisch

Die häufigste Ursache eines Arteria cerebri anterior Infarkts ist eine Thromboembolie. Da heißt ein Thrombus (Blutgerinnsel) wird aus einem anderen Bereich verschleppt und verschließt das Blutgefäß (Embolus). Meistens ist auch die Arteria cerebri media mitbeteiligt. 

makroangiopatisch

Bei einem makroangiopathischen ACA Infarkt wird die Arterie, bedingt durch eine Atherosklerose, verschlossen. Dies kann einerseits durch eine Verengung vor Ort (Stenose) geschehen oder durch atherosklerotische Plaques (Ablagerungen), die mit dem Blutstrom mitgeschleppt werden. 

Therapie bei Anterior-Infarkt

Es gibt zwei Wege, um schnellstmöglich den Anteriorinfarkt zu behandeln und die Durchblutung wieder her zu stellen. Dies ist wichtig, um jegliche Folgeschäden zu minimieren. 

Lyse

Einerseits gibt es die Lyse, bei der ein sehr starker Blutverdünner in den Körper injiziert wird und somit zum Auflösen des Gerinnsels führt. Jedoch muss man hierfür sehr schnell reagieren, denn die Lyse wirkt nur bis zu 4,5 Stunden nach Symptomauftritt. 

Diese Methode wird eher bei kleineren Gerinnsel verwendet, denn größere Blutgerinnsel lassen sich nur durch eine Lyse nicht auflösen. 

Thrombektomie

Bei größere Gefäßverschlüssen wird die Thrombektomie gewählt. Hierbei wird ein Katheter über die Leistenarterie bis in die Hirngefäße vorgeschoben, um den Gerinnsel zu bergen. Die Thrombektomie kann bis zu 6 Stunden nach Symptomauftritt angewendet werden und kann auch mit der Lyse kombiniert werden. 

Prognose

Bei einem isolierten Arteria cerebri anterior Infarkt ist es kaum möglich daran zu sterben. Meistens ist jedoch auch die Arteria cerebri media mitbetroffen (mittlere Hirnarterie), was zu gefährlichen ausgedehnten Schlaganfällen führen kann.

Wie bei jeden Schlaganfall sind Größe des Infarkts, Alter des Betroffenen und Schweregrad der Symptome die wichtigsten Faktoren für eine Heilung.

Die Beinlähmungen können sich gut erholen, insbesondere wenn die innere weiße Substanz des Gehirns mit ihren Leitungen, und nicht die graue Substanz, also die Hirnrinde, betroffen ist.

Die neuropsychologischen Defizite, wie zum Beispiel Verhaltensstörungen und frontale Verlangsamungen (Akinesen), limitieren den Alltag und Lebensqualität der Betroffenen stark.

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