Aneurysma Coiling Lebenserwartung: Risiko bei Zufallsbefund & SAB

Die Frage nach der Lebenserwartung bei Aneurysma Coiling beschäftig viele Menschen, insbesondere wenn das Aneurysma ein reiner Zufallsbefund ist und keine SAB (subarachnoidal Blutung) stattgefunden hat. Bei einer Hirnblutung durch SAB hat man oft nicht die Chance bei der Aneurysma Therapieentscheidung mit zu sprechen, da es sich um einen absoluten Notfall handelt und der/die Betroffene oft gar nicht mehr in der Lage ist zu reden.

Was ist ein Aneurysma im Gehirn?

Unter einem Aneurysma im Kopf versteht man die abnormale Erweiterung und Aussackung eines Blutgefäßes im Gehirn (Hirnarterie). Durch mehrere mögliche Ursachen kommt es zu einer Schwächung der Gefäßwand, was zur Folge hat, dass die Gefäßwand anschwillt und sich ballonartig ausdehnt und ein Aneurysma entsteht.

Aneurysmas im Gehirn treten eher selten auf und ihre Ausprägung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ursachen und Risikofaktoren für die Entwicklung einer solchen krankhaften Aufweitung eines Blutgefäßes sind genauso vielfältig. Verschiedene Aspekte und Lebensweisen wie z.B. hoher Blutdruck, Rauchen oder Alkoholkonsum erhöhen das Risiko im Laufe des Lebens ein Aneurysma zu entwickeln.

Risikofaktoren für die Entstehung von  mehreren Aneurysma.

Ein wichtiger Risikofaktor für ein Aneurysma stellt auch das Erbgut dar, da Schwachstellen in der Gefäßwand genetisch determiniert sind und innerhalb einer Familie gehäuft vorkommen. Auch Syndrome wie das angeborene Marfan-Syndrom oder das Ehlers-Danlos-Syndrom kommen als Ursache für ein Aneurysma in Frage. 

Symptome treten bei intrakraniellen Aneurysmen in der Regel auf unterschiedliche Weise auf. Platzt ein Aneurysma, geht dies oftmals mit plötzlichen, sehr starken Kopfschmerzen („Vernichtungskopfschmerz“), Schwindel mit Übelkeit und Erbrechen, einem steifen Nacken, Bewusstseinsverlust, Lichtempfindlichkeit und Krampfanfällen einher. 

Symptome treten bei einem Aneurysma hin und wieder auch auf, wenn dieses noch nicht gerissen ist. Diese können aufgrund des Raums, auf nahegelegene Nerven oder Gehirnstrukturen drücken, was am häufigsten Sehstörungen  auslösen kann. 

Folgen bei unversorgten Aneurysma

Während Aneurysmen jahrelang symptomfrei bleiben können (unrupturierte intrakranielle Aneurysmen), stellen sie gleichzeitig die stetige Gefahr für einen Riss des Gefäßes dar (Ruptur). Reißt ein Aneurysma, führt dies unmittelbar zu einer Hirnblutung mit Schlaganfall und hoher Sterblichkeitsrate. 

Die Ruptur eines intrakraniellen Aneurysmas führt zu einer Einblutung ins Hirnnervenwasser (Subarachnoidalblutung), bei der Blut in den Raum zwischen Gehirn und Hirnhaut fließt. Die Folge ist eine Sonderform der Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall. 

Da eine Blutung im Gehirn aufgrund der knöchernen Begrenzung durch den Schädel immer zu Überdruck und Raumforderung führen kann, sind Nervenschädigung und Verdrängung anderer Hirnareale, was zu weiteren Funktionsverlusten führt, keine Seltenheit. 

Zusätzlich entstehen neurologische Langzeitfolgen wie Sprach- und Schluckstörungen, Gedächtnisverlust oder Halbseitenlähmungen.

Die Entdeckung eines Aneurysmas im Kopf kann diese schwerwiegenden Folgen verhindern, trägt jedoch immer die schwierige Entscheidung der richtigen Versorgung mit sich. Die geschieht meistens mittels Neuroradiologie, bei der sich Ärzte mittels Kernspintomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) die Hirnarterien anschauen und so die Prognose bei einem Aneurysma einschätzen. 

Unterschied zwischen Zufallsbefund und symptomatischen Aneurysma mit SAB

Während sich PatientInnen mit symptomatischem Aneurysma im Rahmen einer Subarachnoidalblutung meist aufgrund der starken Ausprägung ihrer Symptome in der Klinik vorstellen, werden Zufallsbefunde nur im Rahmen anderer Symptome diagnostiziert.

Wenn ein Aneurysma im Kopf platzt, kommt es zur symptomauslösenden Blutung aus dem Aneurysma oder Druck auf das Hirngewebe und wird dann als symptomatisches Aneurysma definiert. In vielen Fällen treten massive Symptome wie Kopfschmerzen und Bewusstseinsverlust  auf. Häufig kommt es bei einem großen Aneurysma auch nur durch die Raumforderung zur Symptomen ohne Ruptur.

Aufgrund der unterschiedlichen Ursachen und Ausprägungsformen des Aneurysma muss die Behandlungsstrategie für den einzelnen Patienten individuell angepasst werden. Mittlerweile stehen zwei Möglichkeiten zur Therapie eines entdeckten Aneurysma zur Verfügung: operatives Clipping oder endovaksuläres Coiling.

Was ist Aneurysma Coiling?

Entdecken Ärzte ein Aneurysma mittels bildgebenden Verfahren, stellt sich die Frage der richtigen Behandlung eines Aneurysmas. 

Bei diesem sogenannten endovaskulären Coiling wird mittels minimalinvasivem Verfahren ein zerebrales Aneurysma von innen her verschlossen, um zu verhindern, dass eine als lebensbedrohlich geltende Blutung oder ihre Folgen entstehen. 

Aneurysma Therapie

Mittels Kernspintomographie (MRT) wird herausgefunden, wo genau sich die Arterie mit dem Aneurysma befindet und wie die Form ist. Anschließend wird ein Katheter, der nicht mehr als 10 mm groß ist, über die Leistenarterie in den Blutkreislauf eingebracht und operativ bis zum intrakraniellen Aneurysma vorgeschoben. Durch den Mikrokatheter werden nun winzige Platinspiralen (Coils) in das Aneurysma eingebracht, welche dieses ausfüllen und die Blutgerinnung innerhalb des Aneurysmas fördern. So wird die Gefäßaussackung durch eine Thrombusbildung mittels Coiling verschlossen. 

Vorteile dieses Verfahrens sind vor allem die Minimalinvasivität, damit einhergehende Minimierung des Risikos für spätere Komplikationen wie Infektionen und Blutungen und eine insgesamt kürzere Erholungszeit für den Patienten.

Komplikationen wie die Neubildung von Aneurysmen (Rezidive), Blutgerinnseln oder Lösung dieser (Thromben, Embolien und Schlaganfälle), sowie Gefäßverletzungen bestehen allerdings dennoch. 

Aneurysma Coiling Lebenserwartung

Die Lebenserwartung nach dem ein Aneurysma behandelt wurde, hängt von verschiedensten Faktoren wie dem Zustand des Aneurysmas, das allgemeine Gesundheitsbefinden des Patienten, Alter und Behandlungsteam ab. Ist das Aneurysma bereits rupturiert, lässt sich die Lebenserwartung auf 30-50% nach der ersten Blutung schätzen.

Handelt es sich um ein zufällig entdecktes Aneurysma, das noch nicht gerissen ist, ist die Lebenserwartung und Sterblichkeit deutlich besser, insbesondere wenn das Aneurysma noch klein ist (<7mm).

asymptomatisches Aneurysma Kontrolle

Die Sterblichkeit bei Aneurysma Coiling liegt bei der richtigen Auswahl bei 1% und ist deutlich besser als beim Clipping mit 2,6%. Leider gelingt bei Coiling nur bei ca. 70% ein komplettes Verschluss, was einen zweiten Katheter Eingriff von Nöten macht. Der Erfolg ist wesentlich abhängig von Aneurysmagröße und Lage.

Die Lebenserwartung beim Coiling ist also als insgesamt gut einzuschätzen, besonders bei nicht rupturierten Aneurysmen und erfolgreichen Eingriffen ohne schwere Komplikationen. 

Faktoren um doch das Aneurysma im Gehirn mittels Clipping zu operieren

Hauptvorteil des Coilings in der Neurologie ist wie bereits erwähnt die Minimalinvasivität. Im Gegensatz dazu steht die 2. Therapieoption, das Clipping. Hierbei wird durch das Verschließen des Aneurysmas an seiner Basis durch einen Clip das Aneurysma von außen verschlossen. Allerdings ist hierfür die Eröffnung der Schädeldecke (Kraniotomie) von Nöten, was eine längere Erholungszeit und erhöhte Risiken im Hinblick auf Blutungen, Hirninfarkten und Infektionen  nach sich zieht. 

Primär wird ein Coiling angestrebt, wenn die Chancen gut stehen, das Aneurysma mittels Katheter langfristig zu verschließen. Verschiedene Faktoren wie die anatomischen Gegebenheiten der Gefäßausbuchtung wie Form, Größe und Lage machen ein Clipping dennoch notwendig. Dazu zählen komplex geformte Aneurysmen sowie Aneurysmen an der Arteria cerebri media. Auch Aneurysmen mit einem breiten Hals, sind besser mit einem Clip versorgt.

Aneurysmata im vorderen oder hinteren Kreislauf, werden aufgrund dem schweren OP-Zugangsweg lieber gecoilt, insbesondere wenn der Aneurysmahals gut definiert und eng ist. Coiling hat zwar langfristig weniger Komplikationen, aber braucht aufgrund der Gefahr einer Wiederdurchblutung des Aneurysmas mehr Verlaufskontrollen und eventuell ein zweites Coiling.

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