Sprachstörungen Schlaganfall

Aphasie Formen einfach erklärt

Um die verschiedenen Aphasie Formen und Symptome einfach zu erklären, muss man verstehen, dass eine Aphasie eine erworbene Sprachstörung ist. Dabei ist die Fähigkeit einer Person beeinträchtigt Sprache zu verstehen und auszudrücken. Es gibt verschiedene Formen von Aphasie, die jeweils unterschiedliche Auswirkungen auf die Sprachfähigkeiten haben.

Einteilungskriterien

Übersicht der Aphasie Formen in flüssigen und nicht flüssigen Sprachstörungen.
Tabelle der Aphasie Formen
Synonyme und Formen der Sprachstörung bzw. Aphasie. Broca Aphasie, Wernicke Aphasie, flüssig und nicht flüssig sowie globale Aphasie.
Synonyme für Sprachstörungen

Die Aphasie Formen und Symptome sind leicht zu verstehen wenn man die Sprache in vier Fähigkeiten unterteilt und danach die Beispiele für die Aphasieformen nennt:

  • Spontanansprache bzw. Sprachproduktion
  • Nachsprechen
  • Sprachverständnis
  • Wortfindung

Durch diese Sprachdomänen unterscheiden Logopäden mit Tests (z.B. den Aachener Aphasie Test) die Aphasievarianten und teilen diese in Schweregrade ein.

In 80% der Fälle entsteht eine Aphasie durch einen Schlaganfall, wobei 30% der Patienten mit einer Hirnblutung oder Hirninfarkt eine Sprachstörung als Symptom erleiden. Bei einem Drittel der Schlaganfall Aphasie Patienten kommt es zum fast vollständigen Wiedererlernen der Sprache in den ersten vier Wochen. Es gibt sowohl für Deutschland als auch Österreich Selbsthilfe Gruppen für Aphatiker.

Je nach betroffener Hirnregion (insbesondere Schläfen- und Stirnlappen) entstehen verschiedene Aphasieformen die mehrere Synonyme je nach Entdecker, Flüssigkeit und Qualität der Sprachstörung haben. Alle diese Formen können auch gemischt auftreten.

Diese vier Aphasie Formen werden folgenden mit Synonymen bezeichnet:

  • Broca Aphasie oder expressive Aphasie oder motorische Aphasie oder nicht flüssige Aphasie
  • Wernicke Aphasie oder sensorische Aphasie oder flüssige Aphasie
  • Globale Aphasie
  • Amnestische Aphasie 

Im nachfolgendem Abschnitt werden in Tabellen und Listen die Aphasie Formen und Symptome inklusive Beispiele einfach erklärt.

Broca Aphasie

Bei einer Broca-Aphasie haben Menschen Schwierigkeiten flüssig zu sprechen, weil sie Schwierigkeiten haben die richtigen Wörter zu finden oder Sätze zu bilden. Oft klingt ihre Sprache abgehackt oder holprig sowie grammatikalisch entstellt und wird deswegen als Telegrammstil bezeichnet. Die Aphasiker bilden oft kurze Sätze ohne Präpositionen, Konjunktionen oder Artikel.

Bei dieser Broca-, expressiven oder nicht flüssigen Aphasie ist die Sprachproduktion stärker beeinträchtigt als das Sprachverständnis. Der/Die Betroffene spricht oft mühsam, stockend und mit vielen Sprechpausen. Dies spiegelt sich auch beim Lesen und Schreiben wider. Den Gesprächsinhalt verstehen Betroffene gut, somit besteht keine Sprachverständisstörung. Das Sprachzentrum liegt im Stirnlappen benannt nach dem Entdecker Broca.

Typische Symptome einer Broca, expressiven oder nicht flüssigen Aphasie

  • Wortfindungsstörungen (Schwierigkeiten beim Finden von Wörtern):
    • „Ich … äh … gehen … äh … Supermarkt.“
    • „Äh… ich kann mich nicht an das Wort erinnern… Es ist etwas, das man isst… äh… es ist gelb… äh… Banane!“
  • phonematische Paraphasie (Lautverwechslungen):
    • Bitte legen Sie das Buch auf den Pisch.“ (Statt Tisch wird Pisch gesagt)
    •  „Das Laus ist sehr groß.“ (statt Haus wird Laus gesagt)
  • Satzabbrüche
  • Probleme beim Syntax oder Satzbau mit Agrammatismus:
    •  „Gehen … äh … ich … äh … Park.“
    • „Haben … äh … gestern … äh … Kino … äh … Film.“ 

Wernicke Aphasie

Die Wernicke Aphasie wird auch flüssige oder sensorische Aphasie genannt, das Sprachzentrum liegt im Schläfenlappen benannt nach dem Entdecker Wernicke. Bei einer Wernicke-Aphasie können Menschen flüssig sprechen, aber ihre Sprache kann durch Wort- und Lautverwechslungen, Wortneuschöpfungen und ein fehlerhafter und verschachtelter Satzbau unverständlich sein.  Oft verwenden sie falsche Wörter oder fügen sinnlose Wörter in ihre Sätze ein. Durch diesen Kauderwelsch gelingt es vielen Betroffenen nicht ihre Gedanken sprachlich eindeutig mitzuteilen. Sie können Schwierigkeiten haben Wörter richtig zu verstehen oder die richtigen Wörter auszuwählen.

Häufig ist auch das Sprachverständnis teilweise oder vollständig gestört, sodass keine Aufforderungen befolgt werden und sinnvolle Gespräche nicht möglich sind.

Typische Symptome einer Wernicke-Aphasie:

  • Semantische Pharaphasien (Wortverwechslungen und Verwendung falscher Wörter):
    • „Ich möchte den Tisch essen.“ (Tisch statt Kuchen)
    • „Ich gehe mit meiner Katze spazieren.” (Katze statt Hund)
  • Phonematische Paraphasie (Lautverwechslungen):
    • „Bitte legen Sie das Buch auf den Pisch.“ (Statt Tisch wird Pisch gesagt)
    •  „Das Laus ist sehr groß.“ (statt Haus wird Laus gesagt)
  • Neologismen (Erfinden von Wörtern):
    • „Wo ist mein Augenglas.“ (statt Brille)
    • „Könnten Sie mir bitte den Dingeldong reichen?“ (statt Handy)
  • stereotype Lautäußerungen oder automatisierte Floskeln:
    •  z.B. „tatatata“, oder „ohgott ohgott“ aneinander gereiht.
  • Einfügen sinnloser Wörter und Floskeln:
    • „Der Tisch ist grün und äh… Banane.“
    • „Gestern bin ich äh… Hund spazieren gegangen, sehr schön.“
  • Verständnisschwierigkeiten:
    • „Zeige mir die Zunge“ und der Betroffen schaut einen ohen Reaktion an und lächelt. Wichtig ist, dass man die Aufforderung nicht vorführt, da viele Aphasie Patienten Gesten und Situationen nachahmen oder automatisiert handeln ohne bewusst zu verstehen (z.B. Hand reichen zum Begrüßen). 
    • Bei der Frage „Wie gehts dir?“ antwortet der Aphasiker “Wunderbares Wetter heute, ja ja, wunderbar.”

Globale Aphasie

Eine globale Aphasie ist eine Mischung aus Broca (expressiver) und Wernicke (sensorischer) Aphasie. Dabei sind sowohl das Verstehen als auch das Sprechen stark beeinträchtigt. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, Wörter zu finden, flüssig zu sprechen und den Gesprächsinhalt zu verstehen. Durch das fehlende Sprachverständnis und die fehlende Sprachproduktion ist die Kommunikationsfähigkeit stark eingeschränkt.

Amnestische Aphasie

Leitsymptom der amnestischen Aphasie sind Wortfindungsstörungen bei ansonsten gut erhaltenem Sprachvermögen mit vereinzelt Paraphasien (phonematisch oder semantisch). Somit ist der Satzbau weitgehend intakt. Diese Aphasieform tritt häufig bei Schädigungen des Sprachzentrums in der Nähe des Scheitellappens (temporoparietal) auf.  

Oft entwickeln die Betroffenen Strategien, um die Störung dem Gesprächspartner gegenüber zu kaschieren, indem sie Begriffe umschrieben, Floskeln („du weißt schon“) oder inhaltsarme sinnarme Wörter („Dings“) verwenden.

Leitungsphasie

Wie der Name vermuten lässt, ist bei der Leitungsaphasie eine für Sprache wichtige Verbindung im Gehirn gestört. Hierbei handelt es sich unter anderem um den sogenannten Fasciculus arcuatus. Dies ist eine Faserverbindung zwischen dem Wernicke- und dem Broca-Areal. Aber auch Verbindungen zu anderen Sprachzentren kann diese Aphasieform verursachen.

Ein typisches Leitsymptom ist, dass Betroffene nicht mehr in der Lage sind, vorgesprochene und ihnen unbekannte Worte nachzusprechen. Aufgrund des guten Sprachverständnisses werden die Paraphasien vom Patienten selbst erkannt, sodass er ständig versucht, diese zu korrigieren. Daraus ergeben sich teils sehr lange Ketten von dem Ausgangsbegriff lautähnlichen Worten. Diese „Herantasten“ an das richtige Wort nennt man Annäherungsverhalten.

Bei der Leitungsaphasie haben die Patienten weder Probleme, Sprache zu verstehen, ob nun gesprochen oder geschrieben, noch macht ihnen das Sprechen oder Schreiben Schwierigkeiten. 

Es besteht eine flüssige, grammatikalisch korrekte Sprachproduktion mit häufigen phonematischen Paraphasien (Lautverwechslungen) mit erschwertem Wiederholen von Begriffen und Benennen von Objekten, oft verbunden mit dem Gefühl, das zu nennende Wort „läge auf der Zunge“.

Sprechapraxie

Als Sprechapraxie bezeichnet man eine Sprechstörung, bei der die Umsetzung von Sprache in Sprechbewegungen gestört wird. Eine Sprechapraxie kann sich unter anderem durch Störungen der Artikulation (Lautformen), der Sprachmelodie und des Sprachrhythmus (Prosodie) zeigen.

Dabei ist folgendes Sprechverhalten typisch:

  • Suchbewegungen von Zunge, Kiefer oder Lippen vor Beginn des Sprechens
  • unsichere, angestrengte, langsame Sprechweise
  • Lautverwechslungen vor allem am Anfang (phonetische Fehler)
  • Gedehnte, verlangsamte Sprache mit einer Silbe nach der anderen

In 85% der Fälle tritt die Sprechapraxie gemeinsam mit einer Broca-Aphasie auf.

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